blauschwarzberlin. Der Literaturpodcast Folge #85 Juni 2026
Shownotes
Willkommen zu unserer letzten Folge vor einer kleinen Sommerpause. Zu Beginn lüftet Maria gleich das Geheimnis, wegen welchem Spieler sie doch ab und zu gern Fußball schaut. Danach liest sie melancholisch-liebevolle Gedichte eines Mannes, den wir beide gern als Großvater hätten. Bevor Ludwig mit seinem ersten Roman beginnt, empfiehlt er euch, Tino Schlench aka Literaturpalast zu folgen, wenn ihr euch für Literatur aus Südosteuropa interessiert. Von dort erzählt Maja Iskra in ihrem Debüt – und von einem Mädchen in Belgrad, das zwischen Prügeleien und dem Echo des Krieges das Lieben lernt. Auf Heike Geißlers neuen Roman haben wir alle gewartet und Marias hohe Erwartungen wurden mehr als erfüllt, trotz der strengen Olfaktorik, die aus den Seiten strömt. Domenico Müllensiefens neuestes Werk riecht wohl eher nach Benzin und saurem Kaffee. Wenn er von einer LKW-Fahrerin und ihrer Tochter erzählt, wird selbst die Autobahn zu einem literarischen Ort. Bis zu den malerischen Lofoten sind die beiden nicht gefahren, sonst hätten sie vielleicht die Spuren von Anna Boberg entdecken können, der Künstlerin, der Sophia van der Linden ein wunderschönes literarisches Portrait gezeichnet hat. Auch bei Ludwigs Empfehlung zum Schluss vermischen sich die Grenzen von Kunst und Literatur und bei Maria bleibt es mit Stig Dagerman skandinavisch-kristallin.
Viel Freude beim Hören und natürlich beim Nachlesen. Schreibt uns gern, welche Bücher euch aus dieser Folge besonders gefallen haben! Wir wünschen euch einen Sommer voller Geschichten, eure Maria und euer Ludwig von blauschwarzberlin.
Eine Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin.
Transkript anzeigen
00:00:06: Blauschwarz-Berlin, der Literaturpodcast
00:00:09: aus der Stabi.
00:00:11: Wir sind Ludwig Lohmann
00:00:12: und Maria Christina
00:00:13: Piwowarski Und einmal Monat treffen wir uns und reden über die Bücher, die uns in letzter Zeit beschäftigt
00:00:18: und begeistert haben.
00:00:22: Blauschalz Berlin, Der Literatur Podcast
00:00:25: Live aus der Staatsbibliothek Berlin.
00:00:29: Hallo!
00:00:30: Guten Abend.
00:00:31: Herzlich Willkommen zu Folge.
00:00:32: eighty-five.
00:00:33: Blauschals Berlin, The LiteraturPodcast live aus der Stabi.
00:00:37: unter den linden und herrlichem frühe Sommerwetter, jetzt im hellen sogar noch.
00:00:42: Einundzwanzig Grad und mein Deo versagt schon.
00:00:45: Schrie es nicht!
00:00:46: Sehr charmant von dir.
00:00:47: vielen Dank.
00:00:48: wir sind eine Minute zu spät weil wir ganz kurz noch überlegt haben was wir euch heute alles erzählen müssen und das ist viel.
00:00:55: wir haben großartige Bücher mitgebracht aber vor allem auch
00:00:58: großartigen Wein passend zur fünften jahrzeit.
00:01:02: drei freunde.
00:01:04: Den mag ich gerne.
00:01:04: Guckst du
00:01:05: Fußball?
00:01:07: Generell um dieses Jahr?
00:01:08: Ich möchte nicht über Fussball reden.
00:01:12: Das
00:01:13: ist eine große Peinlichkeit in meinem Leben, jetzt muss ich sagen sonst denken die Leute aus falsches... Ich stehe auf einen gewissen Spieler weil der aussieht wie mein Bruder und er sieht gar nicht aus für meinen Bruder das ja auch jemanden steht.
00:01:22: der aussieht wie mein bruder sagt auch viel über mich aber ich habe so eine
00:01:26: Sache doch kann.
00:01:29: Ich finde, Manuel Neuer sieht aus wie mein Bruder.
00:01:32: Oh wow!
00:01:32: Mein Bruder würde das leugnen glaube ich und er sieht auch viel toller aus als Manuel Neuher.
00:01:36: aber vor vielen Jahren, als ich mal aus versehen Fußball geguckt habe, hab' ich gedacht, Neuer seht aus wie meinen Bruder und deswegen will ich immer dass der gewinnt.
00:01:44: Also was völliger Bullshit ist.
00:01:46: Ja,
00:01:46: aber es ist auch ein sympathischer Mensch und es gibt ja auch unsympathische Spiele.
00:01:49: Aber
00:01:49: kein Blassenstimmer.
00:01:50: Doch doch.
00:01:52: Tschüss auf Manuel Neue und auf uns.
00:01:54: Schnell über was anderes reden?
00:01:56: Sag doch mal gern... Ob wir unser Weinschlürfen gut hören.
00:02:05: Und ob ihr uns gut seht?
00:02:07: Wir haben nämlich leider kein Kamera-Kind mehr, ich bin ganz traurig!
00:02:11: Aber weil wir jetzt auch festgestellt haben dass wir es sehr gut so schaffen beim letzten Mal als der Krankheitsbedingte ausgefallen ist und man muss mehr Freizeit haben da sind wir großer Fan von dieser Auswahl.
00:02:19: Ja, aber nur weil
00:02:20: was geht, muss man's ja nicht machen.
00:02:23: Wollen wir mal über Dürre reden
00:02:25: oder
00:02:25: willst du vorhin noch etwas anderes sagen?
00:02:28: Na ja, wir machen jetzt eine lange Sommerpause.
00:02:30: Deswegen genießt das jetzt mal.
00:02:33: Solange hatten wir noch nie Sommerpause?
00:02:35: Zwei Monate.
00:02:35: Drei eigentlich.
00:02:37: Stimmt weil wir so früh jetzt in
00:02:39: Juni, Juli, August bis erst im siebten September wieder da.
00:02:43: Dann mit einer Folge zu Cessien den Gastlandauftritt an der Frankfurter Buchmesse.
00:02:48: Da lesen wir nur Cessisch den ganzen Sommer.
00:02:50: Das ist auch ne schöne Sache eigentlich.
00:02:52: Also sicherlich nicht nur weil der Sommer sehr lang und Nicht mehr Bücher besprechen als sonst, aber wir werden in Folge sechsen Achtzig nur Bücher von tschechischen Autohandeln besprechen.
00:03:01: Freu ich mich ganz doll drauf.
00:03:02: oder mit Bezug können wir auch noch mal drüber reden.
00:03:04: es gibt spannende Sachen Alles perfekt wird gesagt.
00:03:08: dann können wir jetzt auch mit der Lyrik anfangen oder?
00:03:13: Ich habe eine krasse Männerquote heute für meine Verhältnisse.
00:03:16: das sei dir verziehen du hast zwei Typen dabei
00:03:19: Aber die geilen Romane sind von Frauen.
00:03:25: Also diese Folge, aber ich glaube aufs Jahr gerechnet sind wir immer noch ein sehr hoch feministischer Podcast.
00:03:34: Aber Talking about Manuel Neuer, den ich auch ganz toll finde ist tatsächlich Joachim Satorius Der, haben wir vorhin nachgerechnet in diesem Jahr achtzig wird und sich sehr verdient gemacht hat.
00:03:46: In der Herausgabe von vielen Antologien und Gedichtbänden Und ein neuerster ist erschienen, der heißt die bessere Nächte und er beginnt so ein bisschen die Sachen an seinem Arbeitszimmer in Gedichten zu beschreiben und er macht aber auch den großen weltumspannenden Blick für den ich Seine Lyrik einfach auch sehr liebe und spricht in diesem Lyrikband sehr viel über politische Situationen, über die Grausamkeit von Kriegen.
00:04:12: Und ich möchte euch aber ein anderes Gedicht vorlesen und das hat auch den Titel dieses Bandes gegeben.
00:04:19: Das heißt Die bessere Nächte.
00:04:23: Kegelnächte, Rau-Nächte Schneennächte Da spann'n wir den Schirm nicht auf Schlagen die Nächten ohnehin nicht jeden Tag.
00:04:33: Am besten die Nächte, in denen ein Gedicht gelingt.
00:04:37: Besser noch die Nöchte, in den wir Blitze gucken mit Gewitter.
00:04:42: Am besten der Nächten, in dem eine Berührung gelingt!
00:04:46: Dann hat das unablässige Fragen Zweifeln ein Ende.
00:04:50: Haut wird wirklich und Wärme auch Und es ist alles nicht mehr so umsonst.
00:04:57: Das ist so melancholisch und liebevoll und poetisch und schön wie dieser ganze Band.
00:05:03: Joachim Satorius die bessere Nächte erschienen bei Gippen Heuer und Bitsch.
00:05:08: Das muss dann natürlich immer an die Zeit denken, die wir mit ihm hatten.
00:05:12: Darf ich das erzählen?
00:05:13: Ja, ich denke schon!
00:05:15: Also als Maria in den späten Achtzigerjahren zusammen im Ortselot gearbeitet haben... Das
00:05:19: waren die frühen Achtzeiger, danke!
00:05:20: Ah, Entschuldigung achten, wie die Dekaden so vergehen.
00:05:23: du weißt mein Kind Da kam, ich glaube immer Freitags.
00:05:27: Ich weiß gar nicht ob er da irgendwie in der Senatskanzlei oder was zu tun hat.
00:05:29: auf jeden Fall.
00:05:30: Auf jeden Fall war eine Literaturjury bestellt?
00:05:32: Ja,
00:05:32: kam immer im Freitag so gegen elf und hat sich bei uns ein Espresso an der Theke bestellt und dann hatte er Zeitung gelesen, eine Stunde und dann hat er den Espresse oben auf die Vitrine gestellt und ist dann immer wieder gegangen.
00:05:44: Das waren wir einen Jahr lang wie jeden Freitage.
00:05:46: Und wir konnten erst ein bisschen die Ohr nach ihm stellen.
00:05:48: das war ganz schön weil wir dann auch mal so kleine Gespräche mit ihm hatten.
00:05:53: älterer Herr ist, wo wir dann beide so Großvater-Fantasien hatten gedacht und eigentlich...
00:05:59: Großvaters Fantasien?
00:06:00: Nein.
00:06:01: Also im Sinne von ah!
00:06:02: So ein Opa hätte man gerne irgendwie so einer der so ja also feingreistig ist.
00:06:08: Das ist hatte die du nicht.
00:06:09: Ich
00:06:09: würde den auch als kleinen Bruder nehmen.
00:06:12: Ja ich fand den immer sehr elegant.
00:06:14: Also vielleicht zum gutes Beispiel für alte Weißermann.
00:06:18: Kein negativen Positiv.
00:06:20: Braucht man auch mal.
00:06:21: und wirklich ein ganz, ganz schöner sehr umfassender Dürerikmann.
00:06:23: Ich wusste gar nicht, der lebt in Berlin und Syracus.
00:06:25: ich dachte immer dass der viel auf Sizilien ist weil er auf Sizilian viel schreibt hat auch so Bände rausgegeben mit Gedichten über das Meer.
00:06:33: aber jetzt steht da Erwohnt an Berlin und in Syrakus.
00:06:36: Ich finde das Cover ganz schön dark.
00:06:38: Das sieht sehr, sehr düster aus.
00:06:40: Ja, willst du für den Podcast vielleicht beschreiben lassen?
00:06:42: Clown drauf alle Clowns machen mir Angst.
00:06:44: Es ist so eine Fotografie oder ne vielleicht sogar ein Aquarell was aussieht wie eine Fotographie von einem Klauen mit drei Luftballons in der Hand und genau die Schatten von dem.
00:06:56: Ist wie einen alten Banksy im Dark.
00:07:00: Wir reden jetzt wieder über...
00:07:01: Es bleibt weiter Dark.
00:07:03: Junge Frauen!
00:07:04: Ja, es wird auf jeden Fall eine junge Frau.
00:07:07: Ich habe dir ein unter euch oder uns ein literarisches Debüt mitgebracht von Maja Iskra Apakat.
00:07:16: Das ist jetzt beide tollen Erschien.
00:07:18: in der Übersetzung von Majaa Iskra und Masha David.
00:07:22: im Original in Serbokroatisch das ist schon seit Jahrzehnteinzwanzig erschienen wurde bei dem Buch auch ein kleines bisschen gebuckfluenzt.
00:07:32: Und zwar nicht auf Instagram, sondern durch einen Freund von mir, Tino Slens.
00:07:39: Ein Freund
00:07:39: von dir?
00:07:40: Genau der ist bislang neuerdings nämlich auch für den Deutschlandfunk Büßer aus Südosteuropa.
00:07:46: das ist sein spezielles Gebiet und hat da auch Meier Iskra besprochen was ich sehr interessant fand.
00:07:51: dann wollte ich unbedingt das Buch lesen.
00:07:53: er hat auch schon seit vielen Jahren den Instagram Kanal Literaturpalast Und ein Podcast, der heißt Literaturpalast-Audiospur.
00:08:01: Boah ja auch mit Maia ist gar über ihr Buch gesprochen hat und genau also wenn ihr euch für Literatur aus dem Südosten Europas interessiert dann folgt ihm auf jeden Fall.
00:08:12: es ist ich glaube das kennt niemanden der sich so gut mit dieser Literatur rauskennt und ein krass kritischer Leser ist alles so.
00:08:19: Das macht die SWR Bestenliste mit uns beobachtet immer mit großer Neugier was er darauf gewählt hat sozusagen.
00:08:25: Also welcher ist seine Bücher auf der letzten Sonntag?
00:08:27: Ich
00:08:27: habe es bis jetzt selten erlebt, dass ein Buch bei ihm hundertprozentige Zustimmung erfährt.
00:08:32: Er ist wirklich sehr, sehr kritisch aber wenn er was lobt dann hat das in der Regel sehr lesenswert genauso wie Apakat.
00:08:38: Das ist und zwar in Apakat.
00:08:41: da geht es um eine Frau die ist erwachsen und lebt in Wien und hängt ziemlich viel in Kneipen rum mit ihrem mit ihrem Kumpel, wie heißt er?
00:08:55: Fares.
00:08:57: Und das spielt es ein bisschen aus dieser Zeit eben in der Gegenwart, die sie da mit dem Fares in Wien rumhängt und hat Ausgehend von diesen Kneipen- und Klubnästen immer so Flashbacks in ihrer Jugendkindheit in den Neunzigerjahren in Belgrad.
00:09:14: Also meinetwegen... Es läuft jemand an ihr vorbei, Oder an einer Szene, da rauchen die Tscheuen zusammen und der schmeckt nach Hose.
00:09:22: Und dann denkt sie da an das Rosenparfüm ihrer Lehrerin oder sowas.
00:09:26: Also es ist auch immer ein bisschen so einen Prusteffekt über irgendetwas drin.
00:09:28: Das kommen wir zurück in die Vergangenheit und diese Flashbacks hat sie.
00:09:32: Eigentlich spielt ein Großteil des Buches eher in diesen Flashbacks in ihrer Kindheit.
00:09:38: Belgrad in den neunziger Jahren kennen wir... Ex-Jugoslawien, es ist der Fall und viele haben auch so in irgendeiner Art und Weise Kriegstraumata zu verarbeiten.
00:09:50: Und die Welt ist sehr roh und gerade sie lebten einem Viertel durch Scholl was mittlerweile sehr angesagt ist.
00:09:57: Damals aber extrem rough war.
00:09:58: da gab's ganz viele leerstehende Fabriken und ganz viel Armut und ganz wie Gewalt und Alkohol und alles diese Sachen.
00:10:05: und das war also ihre Kindheit.
00:10:08: Und dann erzählt sie praktisch, wie Sie als Mädchen in dieser Zeit trotzdem so versucht hat eine Kindheit zu haben.
00:10:13: In dieser Postkriegsfolie was aber auch irgendwann wieder ein heißer Krieg wird.
00:10:18: Belgrad wird von der NATO und dann flieht sie auch oder sie verlässt ihren Vater und erzählt dann so, wie sie sich so durchschlägt
00:10:28: und
00:10:30: es ist schon relativ nah an Ihre Biografie erzählt.
00:10:34: Geboren, also ist sie Mitte der Neunziger so dreizehn, vierzehn und fünfzehnt.
00:10:38: Also ich glaube neunundneunzig ist sie siebzehnten, wenn ich mich richtig erinnere in der Geschichte würde ja ungefähr passen.
00:10:45: Und genau und Sie es als junges Mädchen eigentlich reagiert sich auf diese ganze Unsicherheit und auf dieses zerpreugelnde System mit einer ganz hohen Gewalt?
00:10:56: Da kann man auch den Bezug zum Titel herstellen, den Apakat.
00:11:00: Das ist ein bestimmter Schlag beim Boxen.
00:11:03: Wenn man so von unten versucht, das Kind des Gegners zu treffen und es Besondere bei dem Apakat ist wenn man nämlich den das Kind oder der Gegnerin nicht trifft dann läuft man Gefahr sich selbst zu treffen weil das eine Bewegung ist genau und das ist also praktisch eine Gewalt die gegen andere die man gegen andere richtet, die eigentlich auch gegen einen selbst gerichtet sein kann.
00:11:25: Und da ist so diese metaphorische Ebenen...
00:11:27: Im Boxen
00:11:28: spielt aber nicht nur auf einer Metaphorischen genauso und dann auf eine ganz realen Ebene eine Rolle denn sie prügelt sich total oft und sie verprügelt auch Jungs und das auch nicht zu knapp.
00:11:38: Das wird auch erzählt und sie baut sich dadurch wie so eine Art Schutzschild auf.
00:11:43: Gewalt ist auch eine Sprache, mit der sie sich zu artikulieren weiß in der Welt.
00:11:50: Und dann baut sie so eine ganz besondere freundschaftliche Beziehung auch zu einem anderen Mädchen aus einer anderen Klasse auf die auch ultragewalttätig ist, die dann irgendwie in der vierten Klasse schon vor ihrer Mutter raucht, die in der fünften Klasse sechs hat und die auch Typen verprügelt, die irgendwie vier Jahre älter sind als sie.
00:12:08: Und dann ist zwischen diesen beiden aber so eine ganz seltsame Solidarität wieder auf einmal.
00:12:14: Es ist so wie eine Art Gegenbewegung dieser Gewalt, dass es so eine Art von Zärtlichkeit, die sie dann auch miteinander finden und entdecken.
00:12:23: Sie zum Beispiel in einer Szene einen Mann der fast tot auf dem Boden liegt und den retten sie dann und verbindet das auf einem.
00:12:30: Dann sagen sie, dann schleppen die denen die Notaufnahme und ob er überlebt sagt es jetzt nicht.
00:12:37: Genau.
00:12:38: Und das ist sehr interessant, wie sie halt dieser Grammatik der Armut des Alkohols und diese Brügeln ständig einfach dann auch so eine Sehnsucht nach Liebe, nach Küssen hat wahrscheinlich in einer Stelle, wie Sie da nochmal mit einem Typen versucht zu küssen.
00:12:54: Ja.
00:12:55: Und es halt gar nicht funktioniert.
00:12:56: Dann hat sie aber eine Liebe zum anderen Typen und den küsst sie jahrelang gar nicht.
00:13:00: Das ist aber eine ganz schöne Liebe.
00:13:02: Also es ist eigentlich nie... So gerade erzählt, wie man das so denkt.
00:13:08: Das heißt Gewalt und Liebe muss es sein.
00:13:10: Bei ihr sind das immer entgegengesetztes Bedingte Beströmungen.
00:13:15: Was sie aber dann auch ganz toll macht – und das ist auch was, dass hat sie in meinem Interview erzählt, dass ich halt nicht nur Lukus Lavien in den Neunzigern oder Post-Lukus Laviens als eine Art Kriegserzählung beschreiben will, sondern ... ein Hintergrund, wo halt Kindheit stattgefunden hat.
00:13:33: Und sie erzählt das ganz viel zum Beispiel in diesen... ... auch so popkulturellen Phänomenen.
00:13:38: Also zum Beispiel wollten die halt alle Nike-Tone-Schuhe haben.
00:13:41: und dann zu Adidas Trainingsjaggen und was sie für Musik gehört haben und den sie gelesen haben und sowas.
00:13:46: Welche Fernsehshows und so was.
00:13:47: Das ist halt auch irgendwie trotz dessen, dass es halt so rau war Von so viel Traumata, gerade aus der älten Generation noch geprägt war.
00:13:55: Trotzdem eine Kindheit stattgefunden hat und mit diesen ganzen Sehnsüsten.
00:13:59: Eine ganz große Rolle spielen bei ihr die alten Russen.
00:14:03: Also Generell, also Dostoyevsky spielt eine Riesenrolle in dem Buch irgendwie.
00:14:07: Das ist auch diese psychologische Zerrissenheit und dieses psychologisch tiefschürfen, also wo kommen eigentlich diese Handlungen der Gegenwart her?
00:14:14: und alles?
00:14:15: Das macht sie sehr toll!
00:14:17: Und ein Gravitationszentrum in der Geschichte ist ihr Vater.
00:14:23: Ja, genau.
00:14:23: Und der war ultra brutal zu ihr auch.
00:14:27: Also er hat sie halt immer wieder verprügelt.
00:14:28: Er hat als er rauskriegt, dass sie schreibt und will erst wissen was die schreibt.
00:14:33: Dann zeigt sie ihm das ganz stolz und dann kommt er einen Tag später und lacht und sagt, du wirst nie in Autoren!
00:14:39: Du kannst nicht schreiben und es doch lächerlich ist und macht sich total rund und es tut total weh, das zu lesen.
00:14:45: Sie schreibt auch an einer Stelle ziemlich schön, dass ich eigentlich vor zwei wie so Patronen ausweichen muss.
00:14:51: Also das eine ist halt die Gewalt, die sie zu Hause erfährt und das andere ist die Gewalte, die sich auf der Straße erfährt.
00:14:55: So was in dazwischen hat ihre Kindheit stattgefunden.
00:14:58: Und trotzdem – und da würde ich gerne mal ne ganz kleine Stelle vorlesen – gibt es eine Passage, die trotzdem diese Bewegung dieses Buches so gut beschreibt.
00:15:08: Da geht's halt auch, weil es halt Jugoslawien für Sie isst.
00:15:11: Und dann zieht sie da an diesem Chont, erzählt ihr diesen Fahrriss... Märzen des schwarzes Loch unter dem Herzen, voller Sehnsucht unberührbar.
00:15:22: Es kann diesen Ort in mir nie
00:15:23: erreisen.".
00:15:24: Das ist für mich Jugoslawien.
00:15:26: Er ist erschüttert.
00:15:28: Wir schweigen.
00:15:30: Das klingt wie Hierait sage ich.
00:15:33: Kennst du den Ausdruck aus dem Valisischen?
00:15:36: Es bedeutet Sehmsucht nach einem Zuhause zu dem man nie wieder zurückkehren kann – nach einem zu Hause das es nicht mehr gibt!
00:15:43: die Nostalgie nach verlorenen Orten unserer Vergangenheit so ungefähr.
00:15:49: Und das macht ihnen den Buch auch, weil sie beschreibt eigentlich in der Kindheit, die nicht wirklich schön war und trotzdem beschreibt sie so eine Nostalgie oder irgendeine Sehnsucht, dass nach diesem Belgrad was es halt auch nix mehr gibt.
00:15:58: also dieses Viertel wo sie aufgewachsen ist diese Verbrickungen sind abgerissen worden da sind jetzt Lofts und alles möglicher super schick.
00:16:04: Es gehört zu einer der lebenswertesten Vierteln der Welt.
00:16:07: mittlerweile wurde das sogar mal geführt und man sieht hat halt Sehmsuch nach diesem alten verlorenen Jugoslawien.
00:16:14: Und da kommt halt so eine große Melancholie dann trotzdem so durch und das finde ich unglaublich gelungen,
00:16:22: wie das... Wow!
00:16:22: Und Debüt ja?
00:16:23: Und sie hat es übersetzt mit weil Sie in...
00:16:25: Genau also sie lebt schon lange in Wien, sie hat in Wyn studiert auch so Landschaftstour-Städteplanung irgendwie sowas.
00:16:33: Also ich habe sie auch im Interview gehört, dass sie sich brichtfließend deuter, aber sie hat das auf sehr ebokoartisch geschrieben.
00:16:37: Das ist ja auch oft so ein Unterschied.
00:16:39: noch mal, worin kann man was schreiben?
00:16:41: Es verändert
00:16:42: sich auch
00:16:43: das, was man schreibt.
00:16:44: Je nachdem welche Sprache man wählt...
00:16:46: Das hat hier Osan Sekarrikes-Kinkelis so schön gesagt.
00:16:49: Mein Arabisch ist das Arabische eines zwölfjährigen.
00:16:52: Weil er dann aufgehört hat, aktiv viel zu sprechen und sein Deutsch oder sein Englisch ist eines eines von den zweiten Jahren Studenten.
00:17:00: Und so ist es glaube ich bei ihr auch, dass diese Kindheitsgefühle vielleicht besser... heraufbeschwören kann, wenn sie das in ihrer Kindheitssprache beschreibt.
00:17:08: Und manchmal gibt es auch so Gegenbewegungen.
00:17:10: also ich muss gerade so ein Jumper-Lahiri denken die er italienisch gelernt hat als erwachsene Frau und jetzt mittlerweile wirklich auf Italienisch schreibt.
00:17:17: und wo ich mich finde ist so einer der Romane die sich ganz wichtig und toll finde.
00:17:21: und den hat sie auf Italianisch geschrieben obwohl das nicht ihre Muttersprache ist.
00:17:24: und sie sagt halt auch sie hat noch mal einen anderen Zugang.
00:17:26: und mir fällt es manchmal auf wenn Leute zum Teil sehr emotionale Sachen oder irgendwas sehr berührendes auf Facebook posten, dass sie obwohl Sie sonst einen deutschen Feed haben plötzlich Englisch das beschreiben weil es noch mal eine Distanz gibt und auch eine Nähe.
00:17:38: Und das ist halt auch wenn du in deinen Kindheitsort zurückgehst, ne?
00:17:41: Dass du dann auch die Sprache verwendest, die du damit verbindest.
00:17:45: Das ist sicherlich auch so ein... Also man kann glaube ich so wirklich total verschiedene Zugänge finden wo ich das so spannend finde was sich Übersetzerinnen dann auch so also sind Einlassen von beiden Seiten wenn du weißt die Autoren spricht Fliessend deutsch versteht das alles und man arbeitet dann sozusagen gemeinsam.
00:18:01: Und man hat aber diese übersetzerische Professionalität und diesen dieser Erfahrung natürlich, ne?
00:18:07: Das ist zum Beispiel, das stelle ich mir total spannend vor.
00:18:10: Ja, ich glaube, man muss es sehr gut... Habt
00:18:11: ihr da mit Tino drüber gesprochen über den Übersetzungsprozess?
00:18:14: Ich hab's uns ganz ein bisschen anordnet.
00:18:15: Okay,
00:18:15: naja, ich will es auf jeden Fall
00:18:16: noch.
00:18:17: Genau!
00:18:18: Aber sie mussten glaube ich gut befreundet sein, weil das natürlich auch übersetzen ja wie so eine Art Hoheit vielleicht doch mal für einen Moment hat und wenn man die teilt dann muss man sich irgendwie in guten Modus finden.
00:18:28: Ja
00:18:28: oder gar nicht befreunden.
00:18:29: Ich kann mir auch total gut vorstellen dass es gut ist, wenn man an einem Projekt arbeitet... Also manchmal ist ja so ein Abstand gerade gut, damit man das Werk sozusagen im Fokus hat und nicht seine eigenen... Manchmal ist es vielleicht gerade gut wenn man sich nicht... Was auch immer.
00:18:43: Aber ich will mir das auf jeden Fall noch an.
00:18:45: Genau also Apakart von Maya Iská übersetzt von Maya iská und Mascha David im Tollnay-Verlag erschienen in diesem Frühjahr einen sehr, sehr gelungenes Debüt.
00:18:56: Okay!
00:18:57: Was hast du jetzt?
00:18:58: Ich habe auch was was Rotes und ich muss ganz echt... Ich hab' echt so Glück mit Romanen in diesem Jahr.
00:19:04: Also wirklich so, so krass gute Romane in diesem Jahr schon gelesen.
00:19:11: Und unter die Top-Fünf ganz weit hoch kommt auf jeden Fall der Neuroman von Heike Geisler Michaela Kohlhaas an denen ich riesengroße Erwartungen hatte.
00:19:21: natürlich wenn man Heike geissler kennt dann weiß man was er war.
00:19:26: das ist auch so schwierig.
00:19:27: diesen erwartung.
00:19:30: Also ich weiß, dass es oft dann unfair ist.
00:19:32: Was mein Gefühl ist was dieser Roman sein muss.
00:19:34: der Verlag sagt sie macht eine Überschreibung der berühmten Novelle von Heinrich von Kleist Michael Kohlhaas und das ist völlig egal.
00:19:42: ob ihr Michael Kohl Haas gelesen habt, ob ihr die Verfirmung mit Mats Mikkelsen die sehr empfehle guckt habt zum Beispiel
00:19:49: oder die mit Captain Peng
00:19:51: Siehst du, wusste ich gar nicht.
00:19:53: Oder ob ihr gar nichts über Michael Kohl hast?
00:19:56: Das ist nicht so super wichtig!
00:19:58: Ich glaube wenn man es weiß und die Bezüge herstellen kann.
00:20:00: das ist noch witziger aber es ist ein so unfassbar großartiger politischer plottgetriebener und gleichzeitig witzige Roman der wirklich so seinesgleichen sucht.
00:20:12: Heike Geißler beschreibt ein Jahr von Januar bis Dezember und sie beschreibt eine Erzählerin in Leipzig, die ist Mutter von zwei Kindern, die bleibt namenlos, die hängt zu Hause und schreibt glaube ich versucht irgendwie auf jeden Fall ihren Job gut zu machen ihre Kinder gut erwachsen zu kriegen und geht aus Langeweile auf den Friedhof oder aus dem Wunsch nach Spazieren gehen und begegne dort Michaela Kohlhas, die ist die stellvertretende Friedhofswärterin.
00:20:36: Und die freunden sich so ganz los an.
00:20:38: eigentlich eine Bekanntschaft würde ich sagen.
00:20:41: Und Michaela Kohlhas ist auch ne brave Bürgerin, ne brava Arbeitnehmerin aber jetzt auch nicht übermäßig ambitioniert.
00:20:49: und dann passiert im Januar was auf ihrem Weg nach Hause macht sie halt in einer Kneipe und ich möchte nicht zu viel verraten aber es hat eine Begegnung mit einem sehr kapitalistischen Galeristen Und das zieht ihr wie den, eigentlich zieht es ihr nicht dem politischen Stecker.
00:21:04: Also steckt
00:21:05: der politische
00:21:07: Stecker oder der Mutter rein und Michaela Kohlhas entscheidet in diesem Moment aus dem System auszusteigen.
00:21:14: sie entscheidet ihren Job einfach nicht mehr am nächsten Morgen zu besuchen.
00:21:19: Sie entscheidet Ihren Kollegen, Herrse.
00:21:22: Also wenn man Kleist kennt der Knecht hieß auch Herrse anzurufen und zu sagen hey kannst du mich mal ein bisschen decken ich werde jetzt aber irgendwie gerade nicht kommen.
00:21:30: Ich habe einen Familiennotfall schiebt sie vor und wahrscheinlich bin ich jetzt eine sehr lange Weile weg.
00:21:34: aber sag mal ich wäre wieder da und es wäre alles irgendwie wie immer weil dieser Friedhof im Südosten Leipzig ist.
00:21:39: auch das ist ne sehr eigene Welt in der die dazu gegangen sind beschließt, ihre Wohnung sozusagen zu verlassen und loszuziehen.
00:21:48: Und das macht sie!
00:21:49: Sie hat ein Handy dabei und ein Ladekabel und immer wieder findet sie mal so Gelegenheiten es aufzuladen und dann wird sie eigentlich zu einer Landstreicherin.
00:21:58: Das würde ich wahrscheinlich benutzen, dass Wort...
00:21:59: Schönes altes Wort?
00:22:00: Ja weil irgendwie muss man sie beschreiben und es ist wahnsinnig beeindruckend, weil was die Macht ist, sie entzieht sich dem System, sie Sie unterstützt auch, indem sie einfach weiter Teil dieses Systems ist.
00:22:17: Dass das System so bleibt oder so sein kann wie es eben wird und sie will sich da entziehen Und sie bleibt mit der Erzählerin Lose in Kontakt mal mehr Mal weniger und das finde ich ehrlich gesagt die gelungenste Sache an diesem Roman.
00:22:35: Es ist wahnsinnig plottgetrieben, also wir gehen mit Michaela Kohlhass wirklich durch die Gegend und zertlatschen mit ihre Schuhe.
00:22:40: Sie hat natürlich auch Geld sie kauft sich da neue Schuhen dann sind das Vielkäufer aus Plastik.
00:22:44: der Sommer kommt es fängt wahnsinn nicht an zu stinken.
00:22:47: Sie stellt auch jede Art von Waschung ein und stinkt wirklich auch ganz wahnsinnigt und hat immer mal so losen Kontakt zu der Erzählerin.
00:22:55: Und die Erzählerin ist hin- und hergerissen, ich muss das ganz kurz ausführen und dann darfst du fragen okay?
00:22:59: Die Erzählerin möchte glaube ich...die ist inspiriert von der Kohlhaus und die wünscht ihr gut und sie will ihr auch helfen.
00:23:05: aber die kommt auch ein bisschen an ihre Grenzen.
00:23:07: und es gibt diesen wunderbaren Moment wo die Erzählerin sich in den Sommerurlaub verabschiedet.
00:23:13: also die Kohlhaars findet einen Planwagen Verliebt sich auch kurz in den Schmied auf dem Mittelalterfest, von denen sie sich dann wünscht der mögebittene Schmidensein.
00:23:23: Es gibt so witzige tolle berührende großartige Plot-Szenen.
00:23:27: aber die Erzählerin ist auch ein bisschen überfordert weil sie viel über die Kohlhasen nachdenkt ihre ganze Familie.
00:23:33: Und da stellt ihr so, dass sie da viel mehr in der Realität dieser Bekannten wäre als im eigenen Anwesendsein des Lebens.
00:23:40: Und dann sagt sie aber, Sie braucht jetzt mal Urlaub und würde sich jetzt verabschieden.
00:23:44: Sie fährt mit der Familie in die Sommerfähen und dann blockiert sie auch den Kontakt weil sie es auch nicht aushält zum Teil.
00:23:50: Sie geht dann aber auch hinterher hin auf den Marktplatz in Leipzig und schneidet ihr die Haare, weil die Cholhas ihr schreibt, ich bräuchte meinen Haarschnitt, dann kommt sie mit einer Schere.
00:24:00: Unfassbar stinkt, muss man glaube ich wirklich so sagen.
00:24:03: Sie verlottert wirklich so wahnsinnig und die Erzählerin geht dann aber hin und schneidet ihr die Haare und lässt sich vor allem von der Kuhlas auch die Haere schneiden als würde sie so teilhaben können über diesen Austausch.
00:24:14: Und immer wenn irgendwas passiert, Leute sind natürlich am Anfang, sind sie interessiert.
00:24:18: Dann wollen Sie wissen was hat sie für eine Agenda?
00:24:21: Was will sie da mit einem Marsch für Blablabla oder Verweigerung von sowieso?
00:24:26: und was Michaela Kohlhas auf die absolut beeindruckendste Weise von allen literarischen Figuren tut und wo sie sich auch von dem Michael Kohlhast völlig unterscheidet der ja Gerechtigkeit wollte, der ja eine Welt wieder in Ordnung bringen wollte?
00:24:38: das will die Kohlhaas alles nicht Das ist ihr alles.
00:24:41: Also jede Zuschreibung weckt in ihr einen Widerstand und sie will sozusagen nur, dass das System fällt oder dass das system fällt es auch eigentlich zu.
00:24:52: einfach gesagt.
00:24:53: Sie will auf mehr vielleicht nicht sagen was die wird.
00:24:56: Es muss man selber lesen und ich glaube man kann da auch verschiedene Dinge reininterpretieren und es spitzt sich wahnsinnig zu spitzt sich zu bis zu einer Behrinnenwertung.
00:25:04: Das muss man glaube ich selber lesend damit man das versteht Und endet am Ende des Jahres und das ist auch kein großer Spoiler mit dem Tod von Michaela Kohlhas.
00:25:13: Warum ist
00:25:14: es kein Spoiler?
00:25:15: Weil ich finde, dass es von Anfang an klar wenn sie den Roman eröffnet sagt die Erzählerin schon, dass sie gestorben ist.
00:25:23: also auf Seite eins ist relativ klar Niemand der schon gestorbt ist möchte ich so gerne dringend wieder sehen wie Sie.
00:25:36: Ja, also es ist relativ klar dass sie am Ende dieses Jahres tot sein wird.
00:25:39: Ich möchte auch eine kurze Stelle vorlesen weil ich Heike Geißler's Sprache noch mal feiern möchte.
00:25:44: Weil das dieser Roman funktioniert.
00:25:47: erst einmal dieses Wagnis mit dieser Geschichte die da eingeht und diese Erzählerin die so wunderbar ambivalent ist in der wir uns alle glaube ich wahnsinnig wiederfinden können und vor allem auch die Sprache so ernst zu sein und so wichtiges zu besprechen, um gleichzeitig so einen unfassbaren Humor hat.
00:26:03: Und eine große... Ich finde das eine große ausstylistische Poetik in Heike Geisler's Schreiben und ich glaube von allen Texten die sie bisher geschrieben haben wahrscheinlich die größte so.
00:26:13: Diese Kohlhas war ein verkantes Wunder an Kraft und stieß die meisten, die ihr begegneten im selben Maße ab wie sie mich anzog.
00:26:21: Sie war der Beistand den ich in jeder meiner Rollen brauchte – sie war ein Wesen mit breiten Schwingen darauf.
00:26:26: Platz für alle.
00:26:27: das glaubte man nicht wenn man sie sah aber so war es.
00:26:29: Sie imponierte mir denn sie verschwendete all ihre Kraft, verschwendet alles was sie hatte.
00:26:36: Sie überlegte nicht, was sie etwas bringen könnte und welche Handlung sie zu etwas mit Erfolg führen würde.
00:26:41: Sie war trotzdem nicht selbstlos, eher gnadenlos.
00:26:44: Sie sorgte sich nicht um die Rente – sie sorgten sich gar nicht!
00:26:48: Und weder wusste sie, dass sie bald sterben würde noch legte sie es darauf an.
00:26:52: Ihr wäre ja eine Ewigkeit lieber gewesen.
00:26:54: Sie verschließt nicht mit Absicht.
00:26:56: Sie wollte nur loswerden, was nichts mehr zu ihr gehörte und vielleicht noch nie zu ihr gehört hatte.
00:27:03: Ob sie ihre Kraft vielleicht zum Trost der müden Leute einsetzen sollte.
00:27:06: Der abgearbeiteten, rastlosen erledigten Leute.
00:27:10: Ob sie sich für die Übersehenden stets entrechteten und für die angeblich unerheblichen von gestern heute Morgen einsetzen sollten.
00:27:16: Sie erwog keine politische Arbeit.
00:27:18: Sie hätte sich vehement dagegen entschieden und erledigte und lebte sie längst.
00:27:23: Ich habe das so gerne und so beeindruckt gelesen Und ich gehe jetzt durch die Gegend und suche überall Michaela Kohlhas in jeder Ecke.
00:27:36: Es ist ein ganz anderen Blick, den man auf Leute hat.
00:27:39: Das glaube ich schon aber es ist auch ein anderer Blick, der man sich selber hat weil das Tolle ist nicht die Michaela Kohl hat sie sich was traut was wir uns alle nicht trauen sondern das tolle an dem Roman ist die Erzählerin die das bewundert und gleichzeitig daran scheitert weil sie einfach ambivalent ist.
00:27:56: Aber sie ist schon Teil der Handlung, die Erzähler haben.
00:27:58: Ist das richtig?
00:27:59: Das ist jetzt nicht so ein Name, die so von draußen...
00:28:02: Also die treffen sich immer
00:28:03: mal und verfolgt es.
00:28:05: Sie zeichnet ihren Weg nach und ihr erzählt eben, sie liegt so Zeugnis ab glaube ich, so würde ich das sagen Und da sind eben Also schon alleine, wenn sie erzählt wie Sie mit Ihren Kindern irgendwie über die Demos gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert und wie sie versucht den Haushalt zusammenzuhalten.
00:28:23: Es sind so ganz viele Alltagsthemen drin und eben dieser große Wunsch auch was zu verändern diese Begeisterungen für Michael Kohlhaus und gleichzeitig diesen Schritt nicht gehen zu können Weil das ist einfach auch einzigartig.
00:28:35: Weil sie auch Lust hätte, sich so zu verweigern?
00:28:38: Ja weil sie damit glaube ich was zeigt.
00:28:40: also diese Verweigerung auch von jeder Zuschreibungs geht ja nicht nur darum dass ihr ihre Wohnung die hat und die hatten okayes Leben, die hatten gutes Geld, hier ist jetzt ja niemand wo man sagen müsste ok die lässt es ja alles freiwillig zurück.
00:28:52: Ihre warme, sichere saubere Wohnung ihren halbwegs wirklich sicheren Job in dieser Friedhofsverwaltung.
00:28:59: zumindest sieht das nicht so aus als der gefährdet.
00:29:02: Das hinterlässt ihr alles zurück aus einer Fassungslosigkeit, die sie empfindet und sagt ich habe das gesehen.
00:29:09: Ich kann nicht mehr zurück.
00:29:10: So geht es nicht weiter.
00:29:12: Ich kündige das alles auf ohne das natürlich zu kündigen sondern einfach
00:29:15: loszuziehen.".
00:29:16: Das ist ein Roman der ganz viel anstößt in einem ganz viel Mut gibt, nochmal anders über Dinge nachzudenken.
00:29:22: Und der ist natürlich ein Abenteuer-Roman.
00:29:24: und er ist ein waghalsiger Roman weil die Michaela Kohl hat irgendwie auch waghalzig ist obwohl sie das nicht mögen würde.
00:29:30: Die mag gar nichts was man über sie sagt glaube ich.
00:29:32: Die möchte nicht mehr falsch verstanden werden um das zu erklären und gleichzeitig so plotgetrieben und so witzig zu sein dass es Heike Geisler's große, große Kunst.
00:29:42: Mir ändert es auch ein bisschen an dir Melbe und den Bartelbeam.
00:29:46: Der sagt ja auch immer, als er verweigert sich so eine große Verweigerung.
00:29:50: Aber ich möchte lieber nicht und ich stinke so das Leutebogen um mich machen weil ich einfach nicht mehr Teil der Gesellschaft
00:29:56: fange will.
00:29:57: Ja aber auch so eine Absage an gewisser Art von Logik.
00:30:00: Da kann man dann überlegen hat sie vielleicht eine süße Krankheit?
00:30:05: Es ist nochmal, greift da irgendein anderes Raster oder so.
00:30:08: Und dass es vielleicht nicht erzählt oder nicht klar ist, dass man das so viel deuten kann macht dann ja vielleicht auch die die die Power von so einem Roman aus, dass wir das in ganz verschiedene Richtungen
00:30:18: und dass man jede Schublade die man öffnet sofort wieder peinlich berührt zustößt, weil man sich vorstellt wie Michaela Kohlhast darüber urteilen würde was man da gerade für einen Schublad aufgemacht hat.
00:30:28: Und dass eine Figur so lebendig wird finde ich das ist schon... also ich habe mich sehr gefreut auf dieses Buch und ich hab auf der ersten Seite schon gewusst dass ich den Ton wahnsinnig mag aber dann doch wahnsinnich überrascht und beeindruckt was Heike Geißler aus dieser Geschichte gemacht hat auch in allen Nebenen Blicken, die sie hat und in der es passiert wirklich unfassbar viel.
00:30:51: Und diese Michaela Kohlhaus, die man auch nicht immer versteht aber ist eine großartige
00:30:54: Untergrundstimme.
00:30:55: Was dir das so sagt
00:30:56: oder?
00:30:57: Niemand.
00:30:57: Man versteht auch nicht wie sich so tickt oder warum Sie sich das jetzt antut.
00:31:00: Warum Sie nicht einfach sagt okay ich habe jetzt hier irgendwie ein halbes Jahr auf der Straße gewohnt.
00:31:04: Ich hab mir diesen Planwagen besorgt.
00:31:05: Ich habe den gezogen, ich bin wirklich geworden.
00:31:11: Es gibt so viele Reminiscenzen und Großarty und trotzdem hat man das Gefühl es ist das Aller-Originellste was man machen kann diesen Roman.
00:31:22: Ich hab hinterher gedacht, ich brauch jetzt keinen Michael Kohlhaas mehr lesen.
00:31:24: Ich werde jetzt immer über Michaela Kohlhas nachdenken.
00:31:27: Vom Ton her habe ich ja gerade gedacht als du das vorgelesen hast, hab ich mir ein bisschen an Miroleuer erinnert gefühlt Also ein ganz kleines bisschen so einen Aus-der-Zeit gefallen ist, fast ein bisschen gleichnishaftes Erzählen.
00:31:41: Ja ich finde ja Miroleu ist tatsächlich noch süffiger.
00:31:46: Vielleicht in der Passage kommt auch nicht richtig raus wie witzig dieser Roman an vielen Stellen ist.
00:31:52: Das fand ich bei Mirolei gar nicht.
00:31:56: Vieles war sehr warm aber es geht ja ganz oft um Leben und Tod.
00:32:00: hier geht's irgendwie auch um Leben dieser Ton.
00:32:03: Ab und zu gibt es so kursiv ganz selten, wirklich ganz feindosiert Kursivgesetzestellen.
00:32:09: da kann man dann hinten auch nachlesen.
00:32:10: das ist dann ein Verweis an den Originalkohlhas oder auch an Verliegnis.
00:32:14: statt der Frauen hat man sehr großen Spaß sich zu überlegen was Heike Keisler gerade beschäftigt hat.
00:32:19: Aber es ist vom Ton her sicherlich also diese Beobachterposition, die diese Erzählerin hat.
00:32:24: Und man erfährt zwar wie sie miteinander enttagieren aber man ist nie so romanmäßig dabei sondern immer auch durch die Linse, durch die Feder der Erzählerin, die dann darüber erzählt, wie sie sie gerade getroffen hat.
00:32:36: und das Tollste ist eben auch wirklich dieses dass die Erzählerin sich an keiner Stelle besser macht als sie war, sondern dass sie ehrlich auch zugibt.
00:32:45: Dass sie ganz viel an Sie gedacht hat, dass sie jeden Tag irgendwie aufs Handy geguckt hat aber dass sie am Frusten war wenn sie nichts von ihr wollte.
00:32:53: Das ist eine interessante
00:32:54: Einstellung zu der
00:32:55: FB-Figur Dass man sie eigentlich auf Distanz halten will.
00:32:59: Und auch froh ist, wenn man nichts von einem will und dass man sich aber trotzdem so hingezogen fühlt, dass man von Freundschaft spricht und man glaubt es ihr beides.
00:33:07: Man glaubt das sie befreundet mit ihr und man glaube dabei auch, dass die Frohes, wenn sie jetzt mal acht Wochen einfach gar nichts von ihr hört Michaela Kohl hast von Heike Geister als einer der großartigsten Romaner dieses Frühjahrs,
00:33:20: finde ich.
00:33:21: Also ich weiß ja, dass du das nicht magst diese Prognosen
00:33:25: aber
00:33:26: vielleicht ist es wenn wir jetzt sie ja doch auf irgendeiner Liste wiedersehen im Herbst
00:33:30: Ja da möchtest du fast meinen kleinen Daumen für's
00:33:32: verwenden.
00:33:32: Das ist ganz unwahrscheinlich
00:33:35: und das finde ich bei vielen Romanen sehr gericht.
00:33:39: Also, liebe Gemeinde erinnert euch am achtzehnten August an unsere Worte.
00:33:43: Ist
00:33:45: es meistens in der Zeit?
00:33:49: Wir Propheten aus der Stadion verkünden uns.
00:33:51: Ja, cool,
00:33:53: harsche
00:33:55: Kunde!
00:33:55: Jetzt du!
00:33:56: Oh, nee!
00:33:57: Ohne Flagst du?
00:33:59: Du hast
00:34:00: jetzt... Ach, David.
00:34:01: Wird es das auch Domenico Müll sieben wünschen und ich halte dass auch.
00:34:05: zumindest auf so einer literarischen Ebene finde es unwahrscheinlich, dass er auch oft die Lange ist wie den Dolzen Buchpreis kommt mit seinem nun mehr dritten Roman.
00:34:12: Das
00:34:13: geht so schnell.
00:34:14: Genau.
00:34:14: Aber
00:34:14: Dominico ist auch so ein fleißiger Schreiber.
00:34:17: der hat mir das mal gezeigt wie er schreibt und also der macht das erst wie zur Arbeit gehen ersetzt sich dann wirklich so.
00:34:23: Ich
00:34:26: habe gerade dieses Louisiana Literature Festival, das veröffentlicht ja immer mal so Videos und da hat Ellie Smith dich auch vergöttere.
00:34:33: Heute erst wieder gesagt, ich habe es mir wieder geteilt.
00:34:35: Ich habe schon mal gesehen dass sie so lazy ist und das sie gar nichts schreibt bis sie muss.
00:34:40: Und dass sie glaubt, dass es ganz wichtig ist auch mal auf Wände zu starten und nix zu machen und so ganz voll zu sein und den Verlag zu sagen wenn du mir keine Deadline gibst kriegst du nix.
00:34:47: Wenn du mir eine Deadline dann mach' ich's auch!
00:34:49: Und der ist ganz anders?
00:34:50: Neh, ich würde schon sagen, dass er vielleicht ein Handwerkethos hat beim Schreiben Aber so genau weiß jetzt auch nicht.
00:34:57: sicherlich, ich würd da auch Momente haben wo er auf Wende startet Aber was auf jeden Fall rauskommt, ist große Kunst.
00:35:04: Das muss nur Konstan Berg das kann man auf jeden fall sagen und ich weiß gar nicht ob jetzt... Ich glaube den ersten Roman durften wir nicht besprechen hier weil
00:35:11: damals war es noch bei Kanon.
00:35:13: Den zweiten Roman meines aber schon dass wir den hier besprochen haben und jetzt auch den dritten.
00:35:18: Ist sein erster war gut?
00:35:19: Erst muss es brennen ne?
00:35:21: Nee aus unseren Feuern.
00:35:24: Genau der war gut, der zweite war besser und der ist jetzt wirklich noch besser geworden.
00:35:29: im ganzen Gegensatz zu den Carverne muss ich sagen.
00:35:32: Da war halt das erste sehr gut, das zweite war okay und das dritte finde ich jetzt leider sowohl vom Titel als auch vom Foto.
00:35:38: Das sind alles drei Fotos gewesen von...
00:35:43: Ich will dir gleich widersprechen müssen.
00:35:44: Markus Werner, das ist ein ganz berühmter Fotografer.
00:35:47: Aber ich finde das Foto ganz toll.
00:35:49: den Titel da stimme ich dir zu.
00:35:50: aber dieser Blick dieser Mutter die ein Kind hält dass ein Kussmut in die Luft macht schwarz-weiß sieht aus wie er könnte gestern gewesen sein es wahrscheinlich älter.
00:35:58: ich find's eine ganz schöne.
00:35:59: also mir vielleicht einen Tick zu glänzen.
00:36:01: ja
00:36:02: man sieht auch auf Instagram muss wirklich so halten dass es nicht mehr so geht aber ich finde es ein wahnsinnig schönes Foto.
00:36:09: Okay, ja es ist auch ein schönes Foto.
00:36:11: Ich finde das ist nicht so ein gutes Kabel.
00:36:14: Okay, jetzt kommen wir zum Inhalt.
00:36:20: Es geht um Sandra.
00:36:22: Sandra ist Lkw-Fahrerin und Die Handlung steigt ein.
00:36:29: Da ist sie mit ihrer Tochter, die heißt Mia, die ist vierzehn auf der Rückfahrt von einer längeren Tour.
00:36:36: Die haben irgendwie Schweine irgendwo hingebracht in einen Schlachthof.
00:36:39: Es spielt heute?
00:36:40: Es spielt in der Gegenwart sehr gegenwahrt.
00:36:42: und das Land wo Sie es wird nicht genau genannt aber das war vielleicht Italien oder Südfrankenkreis oder so.
00:36:48: Sie kommen zurück mit einem leeren Tiertransportanhänger und die Sandra ist halt Berufskraftfahrerin Und muss ihre Tochter Mia am Ende dieser Tour wieder abgeben, weil die Tochter bei der Großmutter aufwächst.
00:37:02: Weil die Sandra ...
00:37:04: Den ganzen Tag auf der Strasse ist?
00:37:06: Ja aber auch weil sie das so gerest verloren hat und die Mia bei der Grossmutter Aufwächst.
00:37:12: also die Sandra hat nur noch ein Umgangsrest.
00:37:15: Also nicht mehr so dass die halt immer bei ihr ist.
00:37:17: Was auch daran liegt, dass die Sandra eine Lkw-Fahrerin ist und einfach sehr viel unterwegs ist und deswegen dem Kind wahrscheinlich kein stabiles zuhause bieten kann.
00:37:31: Und die Sandra weiß, okay das sind halt jetzt die letzten siebenhundert oder achthundert Kilometer diese mit Mia verbringen.
00:37:37: wenn wir ankommen muss ich sie wieder abgeben und es zerreißt die innerlich des Herzes und das merkt man auch relativ schnell so diesen Schmerz der da drin ist und wundert sich natürlich dann oder ich habe mich gewundert ja warum muss ich die denn wieder ab geben und sowas?
00:37:51: Dann erzählt Dominico Müllensiefen so nach und nach wie das dann eigentlich dazu kam, dass sie nicht mehr so gerecht ihre Tochter hat.
00:38:02: Und dann kommt der Vater ins Spiel, der war auch Lkw-Fahrer und hat sich bei der Bundeswehr gemeldet als Transportfahrer und war in Afghanistan.
00:38:13: Das kann ich erzählen, es gibt noch was anderes, was ich nicht erzählen will aber er ist dann halt beim Anschlag ums Leben gekommen.
00:38:20: Das ist sehr, sehr traurig und das hat die Sandhau nicht so richtig verkraftet.
00:38:24: Die sind in der Spielsucht verfallen und es ist also sozusagen ein sehr verletztes Wesen.
00:38:32: Und gelingt es auch nicht so ristig so selber wieder?
00:38:34: Also sie kann vielleicht eine Lkw auf der Spur halten aber ihr eigenes Leben oder ihr eigenen emotionalen Haushalt nicht so Ristik und versucht dann aber jetzt trotzdem mit der Mia ist so eine gute Mutter-Tochterbeziehung irgendwie aufzubauen.
00:38:47: Und das Krasse ist, was der Domäni-Kommunizipen dann macht... ...das habe ich noch nie vorher in einem Roman gelesen.
00:38:53: Er erzählt es wirklich ein zweiter Zeiten Roman oder knapp zweiter Zeit aus der Kabine eines Lkws herauf.
00:39:01: Ein Kamerspieler?
00:39:02: Auf einer, auf der Autobahn-Paktus.
00:39:04: Also die halten schon mal an, Rastplätze spielen eine Rolle zum Beispiel in einer... Das war auch so geil wie er beschreibt.
00:39:10: Die erhalten sie an einer und er rastet.
00:39:13: Und da gibt es halt so ganz viel Prostituierte in der Grenze.
00:39:17: Ja, und die hatte halt so ein schwarzes Top an, schwarzen Rock und ganz weiße Haut und rote Stiefel.
00:39:24: Sie sah eigentlich aus wie eine Reiskriegsflagge.
00:39:30: Du würdest nicht witzchen denken?
00:39:32: Aber auch weil auch so rechte Thematiken müssen und eine Rolle spielen in seinen Texten oder genau... Dann beschreibt er Praktis neben dieser Mutter-Tochte-Beziehung, die wirklich eine ganz spezielle ist und die eine unglaublichste Dynamik entwickelt auch im Laufe der Reise.
00:39:48: Weil man natürlich... Wie alt ist
00:39:50: die Tochter?
00:39:50: Um vierzehn.
00:39:51: Also die wäbt auch die ganze Zeit.
00:39:52: Die spielt auf ihren Nintendo... Genau!
00:39:57: Und die Mutter ist natürlich auch genervt und dann halten sie halt und dann erzählt aber nicht nur diese Beziehung Sondern er erzählt auch eine Arbeitswelt.
00:40:05: Und das ist was, weil es bei Dominic Mühen sie extrem toll finde.
00:40:09: Das war schon in seinem ersten Roman so wo die Hauptfigur halt als Bestatter gearbeitet hat dass man über die Literatur und Handwerkliche oder in so Arbeitswelten reinkommt.
00:40:17: Also vielleicht auch ein bisschen in dieser Tradition, was der DDR gab als dieser Bielefeld-Erweg also dass die praktisch die jetzt... Helder?
00:40:24: Ich schuldige, ich komme nur auf Bielefelden.
00:40:27: Genau das berühmte Bielefeld aus der DDR.
00:40:29: Ah fuck!
00:40:30: Na ja, ich schneide es nicht raus.
00:40:32: Der Bitterfeld der Weg, danke Maria.
00:40:33: Das hat übrigens eine hier gebildet.
00:40:35: Dafür weiß ich immer nicht was Prostche
00:40:36: bei euch musste haben.
00:40:37: Aber interessanterweise...
00:40:41: Und dann LKW-Fahrerin.
00:40:42: Genau, eine Fahrerin und sie erzählt praktisch was ist denn eigentlich auch bedeutend ein Lkw-Fahrerin zu sein?
00:40:47: Und ich weiß nicht ob du diese Böhmemannfolge gesehen hast wo es darum ging das eigentlich alle Raststätten und einen der selben Firma gehören mittlerweile und die muss halt wenn die mit dem Lkwe auf einem Rastplatz hält.
00:40:56: er hat wie gute Duschen hat und so muss sie zwanzig Euro Standgebüe bezahlen.
00:40:59: Ganzhaft!
00:40:59: Ja und muss halt, wenn Sie auf Toilette gehen will irgendwie zwei Euro bezahlen muss wenn sie labrige Pommes kaufen wollen sieben Euro bezahlen so alles.
00:41:06: sie wird total abgezockt aber sie kann mit dem lkw auch nirgendwo hin So was.
00:41:10: Und dann erzählt der Praktis auch aus dieser Perspektive, also weiß es eigentlich heiß Lkw-Fahrer zu sein in Europa und das ist ja so eine Welt mit der haben wir eigentlich nie irgendwas zu tun.
00:41:19: Wir sind alle extrem abhängig davon.
00:41:20: Wir sehen die auf den Straßen.
00:41:21: Dass du jemanden mach?
00:41:22: Ergern uns wenn sie vor uns herfahren und wenn wir... Also wir fahren nicht viel auf der Autobahn soviel aber das ist so das Bild was man hat ne?
00:41:30: Ja und da erzählt er halt über diese Ebene auch einen extremen Gegenwattszielende Sozialkritik auch oder so ein Systemkritik Arbeitsroman,
00:41:40: einfach auch.
00:41:40: Ja oder so ein Roman aus der Arbeiterklasse von denenjenigen die eigentlich sonst nie in der Literatur vorkommen, die in gewisser Weise unterprivilegiert sind wie auch diese Sandra weil sie keine gute Schulausbildung hatte, weil ihr Vater auch bei einem... Also der ist auch LKW-Fahrer gewesen und hat ja vielleicht die Wege geöffnet, die anderen zur Verfügung standen.
00:42:00: Und was er dann auch noch verhandelt das es so diese politische Ebene.
00:42:04: Es wird nämlich verhandelt, dass der Vater von Sandra hat.
00:42:06: Er hat immer dafür gekämpft, dass die Grenzen in Europa geöffnet werden.
00:42:10: Da gab es so Streiks am Brenner und sowas weil sie mussten da immer ewig lang warten bis sie mal so abgefertigt wurden.
00:42:16: Und dann wurde irgendwann das Schengenraum so geöffnete.
00:42:19: was aber dann passiert ist, dass ganz viele Lkw-Fahrerinnen aus Osteuropa auf einmal den deutschen Markt kamen und praktisch die Fahrten alle viel billiger gemacht haben für viel weniger Lohn als die deutschen LkW-Fahrein was dazu geführt hat, dass es so eine Art Lohndumping entstanden ist und unter dem halt die Sandra auch leidet.
00:42:38: Also sie sagt ja, die offenen Grenzen waren damals cool.
00:42:40: heutzutage sind das ein Problem Und diese Dialektik, auch dieses politischen Europas, wie er das in so eine Facherkabin-Geschichte erzählt.
00:42:48: Ich finde es echt große Literaturen.
00:42:51: Das ist gerade dann Anja Gemeindieser denken wir Königinnen, das spielt ja auch vom Schweine-Transport in einem Lkw.
00:42:55: Hast du das
00:42:56: gelesen?
00:42:56: Ja, das steht doch bei mir.
00:42:57: Ist das so los?
00:42:59: Ja vor allem ist es total interessant weil man weiß ja wie die Romanien entstehen und wie viel Vorlauf das hat und dass man sich natürlich... Aber was ist ein Interessanter?
00:43:08: Es ist jetzt nicht wahnsinnig viel, die zwei, die uns jetzt gerade einfangen in dem ganzen Frühjahr.
00:43:12: Also ich habe noch
00:43:13: nie vorher einen Roman gelesen, den Lkw-Spiel.
00:43:15: Aber ich glaube wenn man das einmal gemacht hat dann hat man auch immer wieder so ein offener Blick dafür.
00:43:19: Das ist
00:43:20: könnte auch so sein... Also es hat meinen Blick auf dieses ganze Arbeitsfeld auf jeden Fall sehr, sehr verändert und auch diese Ungerechtigkeit so dass die da so extrem abgezockt werden.
00:43:30: So Gutes zu wissen mal ne?
00:43:32: Und dass man einfach mal so voll Und ich mag es auch so gerne, wenn bei aller Liebe für alle Eltern schafft und vor allem so Mutterschaftsromane die sich mit den frühen Jahren beschäftigen.
00:43:42: Aber ich finde so alles was eigentlich mit der Pubertät beginnt in dieser Beziehung ist nochmal so viel... Da freue ich mich immer doll, das wird auch hinwachsen wahrscheinlich.
00:43:53: aber wenn es irgendwas außer wir müssen mal keinen rehnartiges gibt weißt du?
00:43:58: Wo irgendwie auch die Ambivalenz gezeigt wird damit ein Her geht weiterhin so.
00:44:03: Also es ist ja nicht vorbei nur weil die Kinder aus dem Windeln sind, ja?
00:44:06: Ja.
00:44:08: also ich würde auf jeden Fall sagen Dominic Müllensiefen ist kein LKW-Fahrer vom Beruf her aber er hat das recherchiert und es findet da kommt auch seine ganze literarische sein ganz literarisches Können heraus dass er da halt ist halt ein paar mal mitgefahren bei so einem Lkw und hat das so recherchieren.
00:44:23: genau er recherchiert gut noch gar nichts erzählt habe, sie übernimmt dann eine Frage.
00:44:31: oben siehst du ein bisschen aus ihren Schulden zu befreien und das kommt dann nochmal ein ganz neues Binn in die Geschichte.
00:44:37: Und
00:44:37: dabei ist es
00:44:39: gar nicht so dick, was hast du?
00:44:40: Genau so zweihundert ungefähr...und dadurch entwickelt die Geschichte noch eine Spannung und man will unbedingt wissen okay wie reagiert sich jetzt auf diese Fracht?
00:44:49: Das ist aber so spannend!
00:44:50: Das kann ich jetzt leider nicht erzählen, das müsste unbedingt selber lesen in dem Roman.
00:44:55: Manchmal muss man sich entscheiden von Domenico Möhlensiefen
00:45:00: Sandra und Mia nur im älteren Resort.
00:45:02: Aus dem Panonverlag, genau!
00:45:04: Ja also eine große Empfehlung von mir.
00:45:07: So Maria, wir sind jetzt schon relativ
00:45:08: hoch geschnitten.
00:45:08: Ich mach mal ein bisschen schnell hier.
00:45:10: Es wird ja immer gesagt ich mache nicht so... Also ich mache so anstrengende Bücher ins Wärme so frustrierend und ich denke das auch auf selber von mir dass es oft so schwierig ist und ich habe jetzt das komplette Gegenteil.
00:45:18: So cozy-mosey
00:45:20: oder?
00:45:20: Imlich, nee, nein, ich bin ja nicht... Also ne, wir wollen ja jetzt hier nichts... Nichts simpel werden.
00:45:25: Aber im Licht der Lofoten von Sophie van der Linden übersetzt, von Valerie Schneider aus dem Französischen und die Geschichte ist auf hundertzwanzig Seiten also wirklich ein ganz schmales Band bändchen mare Bändchen und erzählt aber ein ganzes Leben.
00:45:39: aber so toll und so versöhnlich.
00:45:41: ihr braucht das alle wenn ihr euch kreativ beschäftigt ihr braucht es alle wenn Ihr am Feminismus verzweifelt Und ihr braucht das alle, wenn ihr irgendwie nach dem Licht im Leben sucht.
00:45:49: So dass der kurze Pitch ist, weshalb man es lesen sollte.
00:45:50: Bisschen länger... Es geht um Anna Boberg eine schwedische Künstlerin.
00:45:54: die ist ich muss kurz ablesen.
00:46:01: Die hat reiche Eltern gehabt, die ist aus einem Schweizer Mädchen-Internat abgehauen zu Freunden der Eltern nach Paris geflohen sozusagen.
00:46:09: Hat dann da ein bisschen weiter studiert und hat in Schweden zurück ihren Mann kennengelernt einen Architekten mit dem sie Also sie hat, wie das damals für Frauen ja auch üblich war mit ihm Karriere gemacht.
00:46:22: Er hat Häuser entwürfen und sie hat ein bisschen die Inneneinrichtung mitgemacht.
00:46:33: Kunst.
00:46:34: Pavillon?
00:46:34: Genau, danke Pavillon!
00:46:36: Er hat den gestaltet und sie hat die Wandheppiche geknüpft und Keramik gemacht.
00:46:40: Und Sie hatte aber als kleines Kind im Urlaub mit den Eltern in Sevilla, in Andalusien so einen Moment wo sie was gesehen hat, was sie so unfassbar schön fand dass sie sich den Aquarellkasten ihres Bruders geschnappt hat und versucht etwas zu malen Was nicht gelungen ist.
00:46:56: und danach hat sie eigentlich nie wieder wirklich gedacht, sie ist so eine Künstlerin das sie malen muss Aber sie ist mit ihrem Mann der auch mit dem schwedischen Kronprinzen befreundet ist.
00:47:04: Also wir reden hier wirklich von so einer Abba-Klas-Ehe, aber der Roman schafft es sehr gut, dass man trotzdem nicht jatscht!
00:47:12: darüber, sondern man ist froh dass sie irgendwie in der Zeit die für Frauen ohnehin schwierig war sich auch nicht noch mit riesengroßen Klassismusthemen beschäftigen musste.
00:47:21: Sie hatten wahnsinnig guten Mann, sie kriegen keine Kinder das tut... Das ist auch eine Lücke, es ist auch ne Lehrstelle, die tut auch weh aber sie fahren eben irgendwann mal in die Lofoten.
00:47:30: also ich musste mir das erst einmal angucken.
00:47:32: wo das ist?
00:47:32: das ist sozusagen hundertsechzig Kilometer nördlich des Polarkreises in der Arktis
00:47:38: und
00:47:39: da verliebt sie sich In Norwegen, dachte ich sogar.
00:47:44: Also politisch ja?
00:47:46: Wunderschön.
00:47:47: Genau und ich hatte davon nicht so viel Ahnung.
00:47:49: Sie sieht es und plötzlich hat sie diesen Impuls, die muss unbedingt malen!
00:47:52: Und sie fährt von dort an jeden Winter dorthin also auch winter und hat sich eine umschnellbare Staffelei gebaut.
00:47:59: genau ist voll dunkel da.
00:48:00: sie wartet immer auf das Nordlicht.
00:48:01: dann wartet sie auf den perfekten Moment wenn irgendwann am siebten Januar die Sonne mal ganz kurz hoch kommt und so weiter weil sie versucht jahrelang jahre lang jeden Winter dieses dieses Licht einzufangen und ein Bild zu malen.
00:48:13: Und sie wird damit auch relativ berühmt, zumindest in Italien, in Frankreich, in ihrem Heimatland Schweden wird sie so gar nicht.
00:48:18: Sie versucht es aber immer weiter.
00:48:20: Wir fahren jetzt mit ihr hin.
00:48:22: Das ist, glaube ich, ihre letzte Aufenthalt dort.
00:48:25: Also sie wird fünfunddreißig sterben... ...und sie versucht das eben nochmal.
00:48:30: Es geht in diesem Roman ganz viel um die Ehe, um diesen Mann der sie lässt, der sagt hey!
00:48:35: Ich finde das da eigentlich nicht so geil, aber du willst den ganzen Winter da sein?
00:48:40: Du brauchst es für deine Seele.
00:48:41: Go There und erbaut ihr eine Hütte, die sie wirklich ganz kark bewohnt.
00:48:46: Und sie ist in wahnsinnig viele Fälle gekleidet und lebt da ein sehr spartanisches Leben weil sie einfach sagt Sie muss das machen sonst ist sie nicht glücklich.
00:48:54: Das ist so berührend und so ermutigend und eine Geschichte, in der vieles vieles gut geht.
00:49:00: Während sie aber diesen letzten Winter auf den Lofoten verbringt, guckt sie so auf ihr Leben zurück.
00:49:04: So wie van der Linden hat sich die Autorin richtig in ihren Kopf gesetzt Gefühl, sie maßt sich was an.
00:49:11: Sondern sie erzählt das Leben von Anna Boberg wirklich ganz gut recherchiert und ganz beruhigt aber trotzdem poetisch.
00:49:19: Und das ist glaube ich so ein Buch, was für alle wichtig ist die irgendwie kreativ sind und wissen dass man dafür Auszeiten braucht, dass man manchmal verzweifelt weil es überhaupt nicht gelingt irgendwas hinzukriegen.
00:49:29: Weil alles verschwimmt, weil das Licht nicht mitmacht, weil die Natur irgendwie eine Gewalt ist, die nicht so will wie man möchte und man trotzdem nicht lassen kann.
00:49:37: In so einem kleinen Fischerdorf.
00:49:40: kannst du dir die Schicht vorstellen auf so einem Fischerboot, wenn da irgendwie keine Ahnung ... Die Kabeljauköpfe zwei Zentimeter groß plattgetreten sind.
00:49:49: Das stinkt wie die Pässe!
00:49:51: Es ist auch nicht alles nur lieblich und schön an diesem Roman aber er ist ganz toll und ganz bestärkend und bekräftigend.
00:49:57: Es hat mir so großen Spaß gemacht das zu lesen im Licht der Lofoten.
00:50:00: Ganz tolle Liebesgeschichte auch Kinderfreie Liebesgeschichte.
00:50:03: Hat
00:50:03: es auch diese Obsession an so ein künstlerisches Schaffen begeistert daran, jedenseits zu lesen dieser Natur oder so?
00:50:14: Ja, ich glaube so.
00:50:15: Das
00:50:15: ist das man auch der Kunst vielleicht relativ viel opfert in dem Moment?
00:50:18: Ja und dass sie eben auch ihren Mann so vermisst die haben eine gute Ehe ne.
00:50:21: Die eigentlich würde sie gerne bei ihm sein.
00:50:23: aber sie sagt Sie muss diesen Winter da verbringen und muss versuchen das zu malen und diese Diskrepanz.
00:50:30: In der Zeit... Und das ist eben auch noch, wir reden jetzt nicht irgendwie von heute sondern wir reden wirklich von bis zum Jahr dreizig.
00:50:36: in der Zeit in der alle seine Freunde gesagt haben bist du bescheuert holt ihr nach Hause die Zitosen an die tick doch nicht ganz richtig.
00:50:43: auch noch von so einem ganz anderen Moment.
00:50:45: Und das war dabei aber eine Liebe zwischen denen, dass er gesagt hat hey wenn du da jeden Winter hin musst dann lass mich dir da wenigstens in der Hütte bauen, dass du es warm hast.
00:50:52: und gut... Was sage ich dir?
00:50:56: Das ist ein gutes Beispiel!
00:50:57: Es sollten alle Männer lesen die wissen wie man kreative Frauen unterstützt oder alle Frauen die wissen wollen wie man ihre kreativen Frauen liebsten unterstützt.
00:51:04: und es geht alles gut.
00:51:07: Es geht alles gut in diesen Buchen.
00:51:09: Es sind hundertzwanzig Seiten, die einen nochmal bestärken, dass wenn man glaubt, man macht was künstlerisches, kreatives, was auch immer und dann denkt man Boas ist aber eigentlich vielleicht nur Bullshit... sollte ich was viel Wichtigeres machen, vielleicht sollte ich etwas viel Entscheidenderes tun.
00:51:23: Dann ist das Buch so eine richtig gute Impfung um zu wissen es ist total fein sich daraus zu ziehen und seine Dinge zu machen.
00:51:30: Ist auch ein bisschen so schön antikapitalistisch.
00:51:32: Das ist auch antikarpitalistischer obwohl es natürlich eine sehr sehr privilegierte Familie ist.
00:51:36: aber Es ist auch nicht schwarz-weiß.
00:51:38: also sie schafft es auch durchaus irgendwie zu sagen wie kark sie da lebt und wie einfach alles ist Und auch wie sie das liebt in diesen einfachen Modus zu gehen.
00:51:46: Sophie van der Linden Ja, das
00:51:47: ist ein Bild.
00:51:49: Das ist so ein kleines Fischerdorf.
00:51:54: So sieht es auf den Lofoten aus und ich habe zum Beispiel überhaupt keine Lust gehabt hinzufahren.
00:51:59: Es war als Kind auszusehen mal dort?
00:52:02: Ich mag nichts was Schnee hat, Berge sind auch
00:52:04: nicht meins.
00:52:06: Ist das überhaupt nicht begriffen?
00:52:08: Das würde ich eigentlich
00:52:09: jetzt gerne noch machen.
00:52:11: Aber es ist total egal, ob man das möchte oder nicht.
00:52:14: die Fotos sehen.
00:52:15: Es ist so beispielhaft.
00:52:17: Genau!
00:52:17: Das ist halt der Ort von dieser Anna Bohmann und... Ich kannte die Autoren vorher auch nicht und habe mich gerade in einem Instagram-Lesekreis mit Leonora Carrington und einer Romanbiografie beschäftigt bei der ja ganz viel psychische Erkrankung, ganz viel Struggle und intenses Fühlen war.
00:52:36: Und das ist bei Anna Bowman angenehm beruhigt.
00:52:39: Also man kann es auch lesen und danach gut schlafen.
00:52:41: Das ist ja auch mal schön
00:52:42: so.
00:52:43: Ich weiß was deine Lofoten sind?
00:52:45: Ja natürlich weißt du das.
00:52:47: Prost!
00:52:49: Machen wir noch zwei kleine Abstärke oder bist du fertig jetzt oder?
00:52:52: Ja und
00:52:53: du musst noch... ich
00:52:55: habe euch noch ein kleines Büchlein mitgebracht.
00:52:58: Ist wirklich klein
00:52:59: Aus dem Kopf- und Kragenverlag.
00:53:01: kennt ihr den schon, folgt ihn mal.
00:53:05: Das ist ein relativ neuer Verlag aus Berlin Neukölln.
00:53:10: Und die haben sich zur Aufgabe gesetzt, so bildende Kunst, Fotografie und Literatur miteinander immer zu ... Jetzt kommt ein Fachwort?
00:53:18: Zu verwurschteln.
00:53:21: Genau!
00:53:23: Und zwar, da haben die jetzt auch eine neue Reihe dazu ins Leben gerufen.
00:53:27: Die heißt Resonanzen und der Band eins der Reihe Resonansen heisst Ödnis.
00:53:32: Da gibt es Fotografien von Mike Mendel und Sven Pfitzenmeier.
00:53:35: Und Sven Pfitsenmeier könnten wir schon kennen weil er hat schon bei Keinen- und Arbeiten zwei Romane veröffentlicht.
00:53:40: Du weißt das
00:53:41: jetzt?
00:53:41: Ja, erfolgreich!
00:53:42: Du weist wie sie heißen und zwar draußen feiern die Leute und schwätzer.
00:53:46: Draußen
00:53:47: feiern den Leuten geht nicht weiter und lachen... Tatsächlich, ich dachte immer es heißt draußen fein die Leute und lachen.
00:53:51: Entschuldigung!
00:53:52: Also hier steht nur draußen feind die Leute.
00:53:54: Das war ein sehr erfolgreiches Debüt bei Keine und Aber und danach ist Schwätze erschienen auch bei Keiner und Aber.
00:53:59: Und jetzt hat er hier in Ödnes zu Fotografien von der Maike Mennell, die alles so wirken als wären sie maßlos überbelistet oder irgendwie nicht überbelisted sondern mit sehr viel Plitz fotografiert.
00:54:10: Entschuldigung!
00:54:12: Und es gibt immer eine Futterer und eine hintere Bildebene und die Futter ist... Das
00:54:16: Warnblume und die Hintergrundwitterhämmer?
00:54:17: Ja genau.
00:54:18: also das ist immer ein beides was da so erzählt wird und das finde ich sehr schön.
00:54:24: in den Texten von Sven Pfitzenmaier, die so korrespondieren mit den Fotografien geht es immer um Arbeit und darum, wie viel wir eigentlich arbeiten.
00:54:31: Und wann eine Arbeit gewertschätzt wird und wann nicht?
00:54:34: Und das macht er aber mit seinem ganz schönen schnodderigen ironischen, sarkastischen Aber dann wieder doch auch ganz warm Sven Pfitzenmeier-Ton, den ich an ihm sehr mag weil er irgendwie auch so einen Blick auf die Gegenwart hat.
00:54:49: Er versteht glaube ein kleines bisschen zuviel und das tut ihn manchmal weh.
00:54:54: Das spielt halt in dieser Zeit als wir schon alle so regelmäßig von von Friedrich Merz beleidigt werden, dass wir halt zu wenig arbeiten und das Kehrarbeit halt keine Schätzenswerte...
00:55:03: Das größere Problem ist,
00:55:05: was sind die AfD?
00:55:05: Ja genau.
00:55:06: Aber schätzenswertweise, also das zum Beispiel Kehrarbeiten nicht schätzenswert war und es ist wie so eine Art Freizeit-Leistteil.
00:55:14: Beschäftigung ist sich um Kinder oder Kranke zu kümmern, so wie das Friedrichs-März eskiziert.
00:55:18: Und da in diese Wunde piegst er so rein mit seinen Texten auf dieser schnoderrige Art, die er hat hier aber sehr genau den Nagel auf dem Kopf trifft und Kragen verlaggt.
00:55:29: Das kann ich dir empfehlen, Ödnis aus der Reihe Resonanzen Band eins.
00:55:37: Eine der schönsten Erzählbände, die ich in den letzten Jahren glaube ich gelesen habe ist von Stieg Dagermann und sein nächtlicher Badeort aus dem schwedischen Übersetzte von Paul Berff.
00:55:46: Und wenn man den Google-Sfaller kennt dann überrascht es einen nicht dass Stieg Dagermann neunzehnundzwanzig geboren ist und neunzentfünfzig bestorben ist.
00:55:54: Ich glaube das ist schon die dritte Veröffentlichung auf Deutsch von Paul Berg übersetzt mit einunddreißig Jahren in der Garage, in sein Auto gesetzt, den Motor und den Leerlauf gemacht.
00:56:05: Und es gestorben hat aber ein großartiges Werk hinterlassen mit der schönsten, klarsten kristallinsten Prosa die man sich nur wünschen kann.
00:56:13: Es erzählt ganz viel von seinem Aufwachsen im schwedisch-ländlichen Raum das ist für Google sehr nicht ungewöhnlich also wirklich so Fast archäische Themen, bei seinen Großeltern aufgewachsen.
00:56:25: Die Leute aus der Stadt waren immer so ein bisschen merkwürdig aber es erzählt natürlich auch die traumatische Erfahrung.
00:56:30: als er glaube ich siebzehn war ist sein Großvater von einem Psychopathen ermordet worden und er sagt das war so die Wahnsinns-Tat seines Lebens und vielleicht auch einen Grund dafür weshalb er früh gestorben ist immer gelebt geschrieben wie besenkt, da möchte ich sagen an Schreibkrisen gelitten.
00:56:45: Und wenn man lernen will wie man gut schreibt, wie man kurze Texte und dass das in einer Übersetzung funktioniert also Paul Berf ist nicht hoch genug zu loben aber unser nächtlicher Badeort ist eine sprachliche Wohltat für jedes aufgeschreuchte Wunde enttäuschte Gemüt.
00:57:03: Man sollte das lange und lang sein.
00:57:05: Das hast du toll gesagt!
00:57:06: Ja und ich liebe dieses Buch.
00:57:08: Ich nehme das auch wirklich auf jede Sache, wo irgendjemand sagt Tolle Pro sah und so weiter.
00:57:13: Und Kurzgeschichten liebe ich sowieso uns die Dager man hat.
00:57:17: Und der Gogolz-Verlag eben auch tolle Sachen gehoben.
00:57:20: Lest das alle wenn ihr gute Literatur lesen möchtet?
00:57:23: So!
00:57:25: Das war's schon Folge eighty-fünf.
00:57:27: Danke dass ihr uns zugehört habt.
00:57:29: Danke dir Maria für diese... Wir
00:57:32: gehen jetzt noch was trinken und wir sehen uns wieder am siebten September zufolge, die dann sehr, sehr tschechisch sein wird.
00:57:41: Wir wünschen euch einen ganz wundervollen Sommer.
00:57:43: Lest ganz viel, schreibt uns gern was euch inspiriert hat und gefällt, was ihr empfohlen habt.
00:57:48: Wir danken der Stabi natürlich, dass wir wieder hier sein durften in den schönsten Hallen
00:57:53: des Berliner Bücher.
00:57:53: Immer ein großes Vergnügen herzukommen auch gerade im Sommer wenn der Brunnen dahinten ist.
00:57:57: also auch wenn ihr jetzt in Berlin seid,
00:58:00: guckt euch das Kulturwerk an.
00:58:01: es gibt eine tolle Ausstellung Genau, und wir sehen uns am siebten September.
00:58:06: Bis dahin wünschen wir uns ein gutes Lesen und einen schönen Sommer!
00:58:09: Danke an Simone Schabert die gerade noch gesagt hat das war toll.
00:58:13: Wir sehen das und wir freuen uns.
00:58:14: Ab eine schöne
00:58:15: Zeit ihr Lieben, Tschüss!
00:58:21: Das war Blauswärts Berlin der Literatur-Podcast
00:58:24: Live aus der Staatsbibliothek Berlin.
00:58:27: Vielen Dank
00:58:28: fürs Zuhören.
00:58:28: Wir hören uns im nächsten Monat.
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