blauschwarzberlin. Der Literaturpodcast Folge #86 September 2026
Shownotes
Nach unserer langen Sommerpause sind wir nun wieder zurück unter den Linden und widmen uns einer ganzen Folge lang Literatur aus Tschechien. Das ist in diesem Jahr Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse und es gibt da wirklich viel zu entdecken! Ahoj! Ludwig beginnt mit Gedichten über Tiere, die von den Menschen verdrängt werden und sich dennoch am Ende behaupten. Maria reist mit Alice Horácková zu einer lebenslangen Freundinnenschaft ins Riesengebirge. Tschechisch und Deutsch fließen da erst natürlich ineinander und werden dann doch gewaltsam getrennt. Mit großer Tragik und summendem Humor blicken wir dann tief in die Geschichte des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive einer Fliege. Danach nimmt uns Jarka Kubsova mit in den Wald. Ist es ein Märchenwald? Vielleicht, denn sie zaubert eine der bekanntesten vergessenen tschechischen Autorin aller Zeiten wieder in unser Bewusstsein. Wie sehr frühkindliche Erfahrungen unsere spätere Bindungsfähigkeit prägen, weiß nicht nur die Berliner Tinder-Bubble, sondern auch Štěpánka Jislová. In ihrer Graphic Novel erzählt sie einfühlsam und sehr anschaulich von der Einsamkeit in unseren Tagen. Zum Abschied wird es hart kapitalismuskritisch bei uns. Wir teilen eine Schicht mit Anna Beata Háblová und spüren die zerstörerische Kraft des Niedriglohns aus dem Kühlregal wehen. Verschwitzt und ausgebrannt folgen wir dann dem Fahrradkurier in Petr Šestáks wütendem Fight-Club Pamphlet gegen die herrschenden Verhältnisse. Wir hoffen, wir konnten euch mit dieser Folge etwas Lust machen, die tschechische Literatur zu entdecken. Es lohnt sich so sehr!
Viel Freude beim Nachlesen, eure Maria und euer Ludwig von blauschwarzberlin
Eine Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin.
Transkript anzeigen
00:00:06: Blau-Schweiz Berlin, der Literaturpodcast
00:00:09: aus der Stabi.
00:00:11: Wir sind Ludwig Lohmann
00:00:12: und Maria Christina
00:00:13: Piwowarski Und einmal Monat treffen wir uns und reden über die Bücher, die uns in letzter Zeit beschäftigt
00:00:18: und begeistert haben.
00:00:22: Blau Schweiz Berlin, Der LiteraturPodcast
00:00:25: live aus der Staatsbibliothek Berlin.
00:00:30: Das schaffen wir doch jetzt!
00:00:32: Kannst du dich hierher setzen und dann können wir schön anfangen nach so langer Zeit endlich wieder
00:00:39: Blauschwarz bei Ihnen.
00:00:39: Hallo, guten Abend!
00:00:41: Der Literatur-Podcast aus der Stabi.
00:00:43: Herzlich willkommen zu eurem Literaturlagerfeuer.
00:00:47: zur später Stunde Nach der Sommerpause fühlt sich auch schon ein kleines bisschen häpslich an, finde ich.
00:00:52: Ja, tut mir leid Es ist kühl.
00:00:55: Habt ihr es eigentlich anders bestellt?
00:00:56: Irgendwas hat nicht
00:00:56: so gut geklappt.
00:00:58: Hat es so einen schönen Sommer?
00:01:00: Aber sowas von.
00:01:01: Ich saß so viel auf dem Fahrrad.
00:01:03: Ich bin mehr gefahren, als ich das gelesen habe.
00:01:05: Es ist so einfach dich glücklich zu machen?
00:01:07: Man muss nur so Fahrradwetter herstellen
00:01:10: und eine
00:01:11: lange gute Strecke, keine Autos auf der Straße...
00:01:15: Ja es war super!
00:01:16: Und du?
00:01:17: Ich auch ohne Fahrrad!
00:01:19: Aber du bist halt einmal um England rumgepaddelt oder sowas?
00:01:23: So ungefähr hab irgendwie ganz viel gepaddelt Ganz gute Sachen gemacht, hin und wieder auch einen ruten Wein getrunken.
00:01:33: Ein bisschen rumgeschrieben?
00:01:34: Bisschen rumgeschieben... Ich hatte in der letzten, als wir den letzten Podcast gemacht haben, habe ich noch niemals erzählt dass ich ja ein bisschen rumschreibe seit Neuestem.
00:01:42: Magst du jetzt erzählen?
00:01:43: Dann darfst du
00:01:43: mal erzählen!
00:01:45: Soll es über dein Buch reden?
00:01:46: Nein
00:01:47: nicht über das Buch, evaporiertet ja keiner.
00:01:48: aber Das eins kommt, könnte man ja sagen.
00:01:51: Also es kommt ein Buch unter Maria.
00:01:53: Ja, Prost darauf!
00:01:55: Und das werden wir nicht in diesem Podcast besprechen, es können wir auch gleich mal sagen aber... Wir haben heute eine ganz besondere Folge.
00:02:02: Wir haben uns nämlich in der Stabi getroffen nach langer Sommerpause um uns doch ein bisschen auf diesen Herbst vorzufreuen denn das Gastland der diesjährigen Buchmesse ist Tschechien.
00:02:15: durch das ich übrigens auch im Sommer mit dem Fahrrad gefahren bin und es ist ein fantastisches Fahrradland.
00:02:21: Ist nicht ein fantastisches Literatur-Land, was ihr gleich hören werdet sondern man kann auch sehr gut einen Fahrrad durchfahren.
00:02:27: Bist du hügelig bis ruhig?
00:02:28: Okay
00:02:28: bevor wir weiter Reisewerbung machen könnt ihr sagen ob ihr uns gut hört wenn ihr im Livestream zuschaut ob ihr euch gut seht.
00:02:35: Und hier könnten schonmal erzählen dass Tschechien war ja schon mal Gastland und zwar in Leipzig.
00:02:41: Zwei Tausend Neunzehn
00:02:43: Du hast der fleißige.
00:02:44: Wir haben ein bisschen recherchiert.
00:02:45: Und ich finde das so cool, wenn so'n Gastland sozusagen einmal gewesen ist und dann hat man die Gelegenheit schon sich mit zur Übersetzung zu beschäftigen und zu gucken – und dann kommt es noch mal!
00:02:54: Ich finde jedes Gastland sollte eigentlich immer bei beiden Messen, somit so einen Versatz von so'nen paar Jahren immer wieder auftauchen.
00:03:00: Das finde ich ganz schön cool.
00:03:01: Eine der Übersetzerinnen, die heute sehr oft auftaucht, die hatten wir auch schon beim letzten Mal, und zwar bei dem Buch Die Staubfängerin Julia Miesenböck hat das damals auch schon übersetzt, haben wir auch im Podcast besprochen.
00:03:15: Und die taucht dort sehr oft auf weil sie eine der renommiertesten Übersetzerinnen aus dem Tschechischen ist.
00:03:20: und es ist ja immer so ein Auftrag dieser Gastlandauftritte oder im Vorfeld dieser Auftritte dass dann möglichst viel auch aus den Ländersprachen übersetzt wird ins Deutsche damit man halt die Literatur aus diesem Land und möglicherweise dann auch die Kultur ein bisschen besser kennenlernt, also es ist eine tolle... Also
00:03:38: heute sind alle Bücher aus dem Tschechischen übersetzt oder spielen sehr im Tschechen von tschechischem AutorInnen.
00:03:45: Das werdet ihr dann nachher sehen und nächstes Mal geht's aber wieder sehr, sehr quer bett durch die Geschichte.
00:03:50: Da freue ich mich auch schon sehr drauf.
00:03:51: Aber jetzt durch die Geschichten und durch die Sprachen.
00:03:53: Jetzt fangen wir an mit tschechsischer Lyrik.
00:03:56: Tschechsicher Lyrik genau!
00:03:58: Und ihr könnt ja nebenbei, wenn ihr auch schon Tests und Bücher gelesen habt in diesem Jahr die Kommis schreiben.
00:04:03: Ja ich habe Auge
00:04:04: auf die Kommis wie man heutzutage so weiß.
00:04:05: Mal
00:04:06: sagen was ihr da vielleicht schon entdeckt habt und was ist lohnt zu lesen?
00:04:11: Ich habe entdeckt und was es lohnt zulesen.
00:04:15: Marie Yashenko – Menschen hören überhaupt nur sehr wenig!
00:04:20: aus dem Täschischen übersetzt von berühmter Julia Miesenböck und das ist in dem Antea-Verlag erschien.
00:04:26: Der Antea Verlag ist ein unabhängiger Verlag, der glaube ich in diesem Jahr mehrere Bücher aus dem Täschischen hat übersetzen lassen und auch ansonsten eine große Entdeckungsreise wert ist.
00:04:38: also es hatte glaube ich noch nicht so viel aus dem Antea verlag gelesen.
00:04:41: bisher aber als auf der Webseite habe ich gedacht mit
00:04:44: Toll.
00:04:45: Das
00:04:45: noch, das noch... Okay
00:04:46: aber jetzt erst mal höre
00:04:48: ich.
00:04:48: Ein Brett nach einer anderen Sache stehe.
00:04:50: Genau Menschen hören überhaupt nur sehr wenig.
00:04:53: im Gegensatz zu könnte man jetzt fragen zu Tieren.
00:04:56: zum Beispiel und in dem Gedichtband von Marie Ilyaschenko geht es halt auch um Tiere die ja auch zum Teil entsteht ein Leben und von den Menschen verdrängt werden oder parallel zu den Menschen leben.
00:05:07: und zum Beispiel geht's um Zum Eichwünschen, die im Central Park sich daran gewöhnen, Giftköder zu essen.
00:05:13: Und die sind dann so ins Obane gewöhnt und alles... Manchmal werden die Tiere auch ein bisschen vermenschlicht, dass sie menschliche Eigenschaften haben.
00:05:28: Ich habe jetzt eingedicht rausgesucht, da hat mich schon der Titel sehr gekriegt weil das hat mich an einen alten Lehrer erinnert.
00:05:35: Welches Fach?
00:05:37: Russisch!
00:05:38: Du hast doch, ich ... du hast russisch gehabt.
00:05:41: Ich hatte ja noch, also da hat's... Du warst immer
00:05:43: als ich?
00:05:43: Ja aber in meiner Schule waren ja diese ganzen alten DDR-Lehrer die haben die an den Neunzigern nicht ausgetauscht und das waren alles Lehrer, die
00:05:50: ... Sie hatten einen jungen französischen Lehrer geschickt.
00:05:53: Ja okay, ich hatte so'n alten russische Lehrer der hat immer einen Schlüsselbund geworfen und er hat immer gesagt, Lohmann!
00:06:00: Lohman, du bist faul!
00:06:02: Faul wie die Nacht!
00:06:04: Genau.
00:06:05: Und deswegen jetzt
00:06:05: dieses Gedicht.
00:06:06: Keine Schultraumata
00:06:09: auf dem Bild.
00:06:10: Ja, ich meine mir hat es offensichtlich nicht geschaut.
00:06:13: Das heißt schwarz wie die Nacht.
00:06:15: Schämt es nicht für deinen Impuls beim Hotelfrühstück Teelöffel zu stehlen?
00:06:20: Für deinen Gefallen an kleinen glänzenden Sachen oftmals nichtigen!
00:06:27: Lasst es ganz unbekümmert auf der Erde nieder, begrüße deine Freunde mit lautem Schreien und taust euch abends über Neuigkeiten aus.
00:06:38: Schämt es nicht für deinen schlechten Ruf bei engstürmigen Menschen und auch nicht dafür, dass Deine Wohnung mehrere Zimmer hat.
00:06:47: Und Deine Gedanken schwarz sind wie die Nacht Denn Du kennst den Tod und kannst ihn beweinen.
00:06:59: Lass Dich nieder auf Büsten von Göttinnen wann immer auch du sie erplickst Denn so soll ein Rabel sein.
00:07:10: Ich dachte, das ist ne Älfte.
00:07:12: Ich dacht es wäre eine Krehe eigentlich aber es sind ja ein bisschen
00:07:15: mehr Dosenfühlen.
00:07:18: Denn so soll ein Rabel sein?
00:07:19: So soll ein rabelsinn!
00:07:20: Das ist ein wunderschöner Satz denn kann man sich wirklich in die Küste auf die Tablete machen.
00:07:24: Egal was du machst und wenn irgendjemand sagt wie du's machst dann sagst du so soll er ein Rabeln sein.
00:07:28: Genau also werden wir mal einen zächtigen Lyrikband lesen wollen der das muss ich leider dem Antea-Verlag jetzt doch an kritisieren.
00:07:38: Es ist eine einsparige Ausgabe, normalerweise sollte man das immer zweisparig machen aber es sind sehr schöne Tiergedichte.
00:07:46: Menschen hören überhaupt nur sehr wenig von Marie Eliaschenko übersetzt aus dem tschechischen von Julia Wiesenburg.
00:07:54: So soll ein Gedicht sein.
00:07:55: Jetzt geht
00:07:55: es weiter mit dem dicksten Buch, das ich seit langer Zeit gewesen habe.
00:07:59: Es ist wirklich ... Ich habe diese Sommerzeit sehr genutzt und war das so ordentlich aussieht falls ihr jetzt gerade in der Livestream-Variante seht und so... Ich hab's wirklich weil es so schwer ist digital gelesen, weil ich ja so gerne auch digital lese und dieses Lesungsplast sozusagen noch unverbraucht.
00:08:14: siebenhundert neunundvierzig Seiten hat Alice Horaczkova's Geteiltes Haus, was von Sophia Marzolf übersetzt wurde für die Joghines.
00:08:25: Und wie immer bei vielen Diogenesbüchern bin ich so auf das Kawa abgefahren.
00:08:31: Es ist eine junge, ich glaube auch auf Instagram stattfindende Künstlerin habe ich noch mal kurz nachgecheckt heißt Xenia Istomina.
00:08:41: So jetzt beschreiben?
00:08:43: Also eine Frau, die ein Bisten aussieht wie Schneewitzen.
00:08:45: Also so heller Haut, rote Lippen und schwarze Haare mit einem langen Zopf oder langer Haar sitzt auf einem sozusagen im sechstiger Jahre-Sessel oder sowas in einem weißen Kleid Und er hat einen naturalistischen Malereistil.
00:08:59: Ein ganz dicken schönen dunkel geflochten Zopf.
00:09:01: und sie erinnert mich an einer Verlegerin aber ich sage nicht an welche An eine Verlegerin.
00:09:06: als junges Mädchen würde ich behaupten
00:09:10: Ja das weiß wen du meinst.
00:09:11: Ich
00:09:13: dachte an Christiane Frohmann.
00:09:16: Aber
00:09:17: ich hoffe, Christiane frohmann wäre nicht böse vom Frohmand Verlag, wenn ich sage dass sie sieht.
00:09:22: ich finde ihrem Mund hat sehr was von Christiane Fromann.
00:09:24: aber worum es geht ist genau etwas ganz anderes.
00:09:27: und zwar wird in dem Roman steht auf dem Klappentext hintendrauf als ich bin das Kawas wegen auf diesen Roman aufgesprungen, wie so ein ganz neugieriges Tier auch.
00:09:38: Und wollte unbedingt wissen worum es geht und der Klappentext erzählte was von einer Freundin in Geschichte in einem Dorf im Riesengebirge.
00:09:45: das Dorf heißt Benetsko Und es geht um die Freundin Aneshka, die ist Deutsche und um Denker.
00:09:54: Die ist Tschechien.
00:09:56: Und Benetsko war so ein Dorf gewesen, das wird beschrieben von der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg also K- und K-Monarchiezeit, dass immer auch schon sehr gemischt war.
00:10:10: Es lebten Deutsche neben Tschechen in diesem Dorf, es heirateten die untereinander.
00:10:17: Ganz viele waren mehrsprachig, viele wechselten auch so ihre Zugehörigkeit oder ihre Sprache.
00:10:23: Je nachdem heirateten untereinander fühlten sich mal der einen, mal der anderen Sache mehr zugehörig.
00:10:28: und diese Freundin Geschichte soll eben beschrieben werden auf diesen siebenundachtzig Seiten wie Sie sozusagen die Wirren der Politik Schlimmen Dinge, die danach passieren eben dort übersteht.
00:10:43: Was dieses Buch aber in Wirklichkeit finde ich ist es vor allem ein.
00:10:48: Also dieses Dorf ist wirklich wie ein Extra-Protagonist.
00:10:51: Diese Freundinengeschichte zwischen diesen beiden Frauen, die sich kennenlernen als junge Mädchen in diesem Dorf, die sehr unterschiedlich sind... Die eine wird in so einer Bauersfamilie groß geboren, in der es auch ganz viel um kargeharter Arbeit geht.
00:11:06: Es gibt so ganz viele Archasche, Google, Zypes, wenn's eben darum geht zu überleben und das Essen auf den Tisch zu kriegen, sich um die jüngeren Geschwister zu kümmern
00:11:14: usw.,
00:11:16: Da stirbt die Mutter bei der Geburt und sie lebt dann, wächst bei ihrem Vater auf.
00:11:20: Der sie total vergöttert, der sie sehr fördert, der ihr alles so möglich machen will obwohl sie eben auch überhaupt keine Mittel haben aber der ihr so einen Selbstbewusstsein in ins Aufwachsen legt.
00:11:32: das ist eine sehr schöne
00:11:34: Was arbeitet der Vater?
00:11:35: Weise auch.
00:11:36: Was macht denn der Vater, der ist... Ja, es ist auch was ganz Einfaches!
00:11:41: Es ist hinten, das ist ziemlich cool.
00:11:43: Hinten ist so eine Personenbeschreibung drin und lasst euch bitte nicht schockieren.
00:11:47: Also es ist ...was ich sagen wollte.
00:11:49: dieser Dorf Roman ist wirklich so voller...
00:11:51: Man lernt das ganze Dorf kennen.
00:11:52: Genau,
00:11:53: man lernt es ganze Dorfs kennen.
00:11:55: Ne weiß ich grad nicht mehr was der Kriter macht aber es muss ja einfach mal lesen.
00:11:57: und ist so dass diese Freundin Geschichte am Anfang sehr im Vordergrund steht aber dass sich das dann sehr abwechselt weil immer wieder so Personal eingeführt wird was uns ein bisschen mehr zeigt als die beiden Mädchen und dann später Frauen eigentlich sehen.
00:12:13: Die sind alle so ein bisschen miteinander verbandelt, also am Anfang war es mir fast ein bisschen zu schwülstig.
00:12:17: viele Erfernen werden da beschrieben.
00:12:20: Viele Begehrlichkeiten auch von jungen Männern auf junge Frauen usw.
00:12:25: Ich dachte das ist bei einem historischen Roman.
00:12:27: vielleicht muss das zu sein?
00:12:28: Vielleicht ist es einfach dieser Blick, das gehört vielleicht einfach dazu aber das hat sich sehr verschoben zu einer.
00:12:36: Es verknüpft sich wirklich und das Bild ist total ausgelutscht.
00:12:38: Entschuldigt, dass ich es benutzen muss aber es verknüpft sich zu so einem Teppich.
00:12:41: Man kann nicht jeder Figur sofort folgen man kann auch nicht alle immer sofort einordnen.
00:12:46: Es ist zum Beispiel so, dass diese beiden Freundinnen zwei Brüder heiraten später Ja, aber eigentlich sind diese Brüder so unterschiedlich.
00:12:54: Dass ich beim Lesen immer wieder mich daran erinnern musste dass sie zu der gleichen Familie gehören weil eben dieses tschechische und dieses deutsche was dort in diesem Benetsko so wechselt und was dann natürlich auch nach Achtund dreißig als das Sudetenland sozusagen dem Deutschen Reich angegliedert wird.
00:13:13: Von heute auf morgen werden mitten auf der Straße so Grenzplöcke gezogen und das verschiebt sich dann über so ein paar Wochen, und dann haben mal die Tschechen die Oberhand und dann einmal die Deutschen.
00:13:21: Dann muss jeder Bürger oder jede Bürgerin Muster abstimmen wozu sie sich zugehörig fühlt.
00:13:26: Und die Tchechen mussten gehen?
00:13:28: Nein noch nicht!
00:13:29: Am Anfang mussten Sie erst mal sagen was hier sind und es gibt wirklich Leute, die mit Beidem aufgewachsen sind und die das nicht richtig sagen konnten.
00:13:35: und auch die Frau, die sich als Tschechin fühlte Und das hat sozusagen so eine ganz große Fluidität gehabt.
00:13:43: Die Mutter von dieser Sänke hat zum Beispiel ... Die hat als Einzige ganz am Anfang schon gesagt, Sie sind eigentlich Gebirgsläute.
00:13:52: Also Nationalitäten würden sie gar nicht richtig beschreiben.
00:13:56: Sie fühlt sich weder als Tschechien noch als Deutsche sondern sie fühlt es sich als Gebürglerin und das wäre was, was ihr gut beschreiben würde.
00:14:02: Und ich finde, dass ist ein ganz tolles Bild über den Unsinn von Nationalgrenzen in menschlichen Biografien.
00:14:10: Es macht überhaupt keinen Sinn plötzlich solche Zuschreibungen... sich aufdrücken zu lassen, wenn man eigentlich durch das Lokale in dem man lebt oder die Geografie in der man lebe viel mehr geprägt ist als durch irgendeine Ländergrenze.
00:14:23: Genau Deutschland greift dort ein und es wird der Zweite Weltkrieg beschrieben.
00:14:30: Figuren, von denen man am Anfang dachte das sind feine empathische Menschen.
00:14:35: Das sind nette Leute zu unfassbaren fanatischen Faschisten.
00:14:40: Es gibt die Empor-Kömmlinge es gibt die Geschäftemacher aus diesem kleinen Dorf über einen kleinen... Ah der Vater war Weber Da kommt jetzt der.
00:14:52: Manchmal muss man drüber reden und dann kommt's.
00:14:54: Genau, da war Weber.
00:14:55: Und dann gibt es eben von diesen kleinen ... Man macht Tuch und man verkauft ein bisschen Stoff und man fängt an zu schneidern entwickelt er sich zu einem großen Kleiderfabrik.
00:15:05: Mogul muss man fast sagen.
00:15:07: Und als dann diese... Ja, nee, aber sitzt zumindest bei Heidrich in Prag am Ess-Tisch und
00:15:15: danach bei seiner
00:15:16: Witfe.
00:15:16: Seine Witfel lässt die Zwangsarbeiter kommen damit sie mal einen Pool in den Garten bauen und so.
00:15:21: Also es ist nicht nur dieses Dorf was beschrieben wird sondern eben auch und das war jetzt natürlich auch wirklich hart zu lesen in den letzten Wochen weil es eine tschechische Geschichte ist die aber eben ganz viel deutsche Geschichte erzählt und die uns irgendwie so ein ganz, ich dachte erst hier am Anfang.
00:15:39: vielleicht ab so ein bisschen so eine romantische Riesengebirgs-Dorfgeschichte vor mir.
00:15:44: Und dann war ich mitten drin im fascistischen Drittenreich in allem, was damit einhergegangen ist – in Folter und Gestapohaft.
00:15:52: Leute werden auf der Straße von ihren Nachbarn denunziert, die eben noch mit ihnen irgendwelchen technischen Schnaps getrunken haben.
00:16:01: Das wird im Prinzip beschrieben bis hin zu dem Halleluja Fall des Naziregimes.
00:16:08: Das Dorf hatte, ich habe das in einem Interview mit der Autorin gelesen.
00:16:11: Also es ist ihr erster Roman von Alize Horatschkova, der jetzt auf Deutsch übersetzt wurde.
00:16:16: Die hat aber auch schon einen belletristischen Roman geschrieben und kommt so ein bisschen aus dem Journalismus.
00:16:21: Und das merkt man diesen Buch sehr an.
00:16:23: Also geteiltes Haus hat ganz viele Passagen die wirklich Archivmaterial sind.
00:16:28: also Kroniken des Dorfes werden manchmal zitiert weil der Dorflehrer spielt eine sehr große Rolle.
00:16:33: wie Schule eben überhaupt ne große Rolle spielt ist die Schule Deutsch ist jetzt tschechisch was is Amtssprach?
00:16:38: Dann gibt es eine Weile zwei Schulen, welche überlebt sozusagen.
00:16:42: Welche wird platt gemacht?
00:16:44: Also das sind so Sachen die da eine ganz große Rolle spielen dieser Dorflehrer Tomek der auch mit der einen der beiden Freundinnen später eine Affäre hat Der ist ganz interessiert daran, irgendwie die Geschehnisse festzuhalten.
00:16:57: Und da sind eben sowohl Dorfkronikpassagen drin als auch zum Beispiel Briefe wo man sich ganz sicher ist dass die Autorin im Archiv gewesen ist und wahnsinnig viel recherchiert hat um das wirklich über diese erste Hälfte des letzten Jahrhunderts so genau zu erzählen.
00:17:12: Warum es sich trotzdem leicht liest trotz der schweren Thematik und trotz dieser Länge und des Umfanges?
00:17:17: Das ist fast episodenartig aufgebaut!
00:17:20: kurze Kapitel, also manchmal zwei drei Seiten, manchmal auch nur so anderthalb oder so und immer hast du das Gefühl jedes Kapitel ist für sich so abgeschlossen.
00:17:28: Und manchmal sitzen dazwischen wirklich harten Beschreibungen von politischen Umbrüchen auch so anekdotenhafte kurze Episoden die wie so eine kleine Ruhebank sind.
00:17:38: und dadurch dass du immer so einer Episode nach der nächsten liest wirklich wie dieser Teppich, das irgendwie so ein bisschen aufgegleitet.
00:17:47: Wenn du das ganze Bild später siehst hast du auch nicht das Gefühl, du steckst in so einem super schweren harten Roman drin sondern es liest sich dann trotz der Thematik
00:17:56: fast
00:17:56: ein bisschen leicht.
00:17:58: und weil ist auch weil du das Gefühl hast du liest dann zwischendurch auch mal was ganz Erholsames irgendeine lustige Dorfgeschichte die plötzlich wieder zwischengestreut ist womit man dann viel besser aushalten kann dass man eben auch die ganze Zeit über harte historische dramatische Begebenheiten liest.
00:18:15: Aber so macht es auch oft die Geschichte ja auch Interessante, wenn man das zum Beispiel anhand von zwei, drei Figuren erlesen kann, die einem vielleicht sehr nahe kommen, die man deswegen schon in der Kindheit kennt und dann auch diese Dorfgemeinschaft, auch dieser Ambivalenz vielleicht auch vom Biografien- und Persönlichkeiten, dass jemand
00:18:30: z.B.,
00:18:31: ein netter Vater ist mit seiner Tochter total gut umgeht und trotzdem in schlimmeren Arzi wird oder sowas
00:18:35: kann?
00:18:35: Das ist hier ein bisschen das Problem.
00:18:36: Ich hatte eigentlich gedacht ich wäre wie im achten Leben von Jeno Haratisch, wie die völlig klingt jeder Figur, jeder Generation.
00:18:44: Das können nicht so viele...
00:18:45: Da müssen sich jetzt viele dran messen!
00:18:47: Hat Müller.
00:18:48: Ist nach wie vor so das Ding finde ich.
00:18:50: und dass es hier so, dass es am Anfang mich ein bisschen enttäuscht hat weil ich dachte ich kann diesen dieser freundenden Geschichte gar nicht so nahe kommen wie ich eigentlich gerade will weil ich so viel weiteres Personal kennenlerne und immer denke sind die wichtig muss ich mir die merken?
00:19:04: Und dann merkte ich aber so dass es darum eben gar nicht geht sondern dass ist eben wirklich die so ein vielfältigeres Panorama ist.
00:19:11: Und was es aber auf jeden Fall gibt, ist die Klammer.
00:19:14: Also diese beiden Aneschka und Sanker sind schon so die, an denen man sich immer wieder ausrichten kann umso genau.
00:19:26: Aber es ist sehr voller Menschen und man muss das mit einem gewissen ... Mit so einer kleinen Tapferkeit lesen, weil man sieht sie kann sich nicht alle merken.
00:19:35: Man muss gleich ein bisschen davon ausgehen... Mut
00:19:37: zum Vergessen sozusagen.
00:19:38: Ja und ich finde das ist aber ein sehr beeindruckendes Buch was vor allem auch eine unfassbar großartige Rechercheleistung hat.
00:19:47: und geteiltes Haus.
00:19:49: Darf mir wissen was mit der Freundschaft der beiden nach ´forties´ passiert oder?
00:19:54: Ich glaube das kann man schon sagen weil es am Anfang relativ klar ist dass Aneshka Die mit ihrem Mann, dem Einbruder der diese Fabrik hatte in den deutschen Teil gegangen ist.
00:20:06: Als das Sudeten dann sozusagen... Da hat sich ein kleines deutsches Dorf orientiert und die ist jetzt bei den Deutschen als.
00:20:15: Es gab einen sehr rastistischen Ausdruck, den ich gar nicht benutzen will.
00:20:18: Weil die nach dem Krieg natürlich für tschechische oder tschechoslowakische Flüchtlinge halten und eigentlich gar nicht bei sich haben wollen.
00:20:25: Die ist jetzt bitterverarmt in Deutschland und schreibt eben ihrer Freundin ein Brief und erzählt auch wie schlecht sie gerade geht, wie sie unterkommen musste irgendwie als Geflüchtete... Und wie sie eigentlich nichts lieber will, als wieder nach Hause.
00:20:38: Aber sie ist eben... Sie kann nicht mehr zurück weil das jetzt durch die zweite dritte tschechoslowagische Republik.
00:20:47: also man lernt wahnsinnig viel über die Geschichte Tschechians.
00:20:51: und die andere Freundin, die diese ganze schlimme deutsche Besatzungszeit würde ich mal sagen in diesem Dorf ausgehalten und überlebt hat Die antwortet ihr am Ende dieses Buches.
00:21:01: Und das muss man dann selber lesen!
00:21:03: Aber das ist ja auch eine gute Klammer
00:21:04: da.
00:21:04: Ja, es ist eine sehr gute Kdamer.
00:21:05: Alitse Holatschko war geteilt des Hauses aus dem Tschechischen Übersetzt von Sophia Marzolf.
00:21:12: Die Hoganess?
00:21:12: Sehr
00:21:13: gut.
00:21:14: Das war mein schwierigstes Buch heute, jetzt wird's leichter.
00:21:16: Aber
00:21:16: hast du gut gemacht.
00:21:17: Danke.
00:21:18: Ja.
00:21:18: Es ist so eine lange Geschichte geht... Ich glaube alle meine Bücher zusammen haben heut weniger Seiten als Deins.
00:21:25: Ist okay.
00:21:29: Ich würde jetzt gerne über ein Buch reden, bei dem es mich ernsthaft wundere.
00:21:33: Warum dieses Buch im Vötong noch nicht hoch und runter besprochen wird?
00:21:37: Das habe ich heute nochmal so geschaut... Es
00:21:39: ist noch sehr frisch!
00:21:39: Kann das noch passieren
00:21:40: für dich eigentlich?
00:21:41: Ja, es ist noch relativ frisch.
00:21:43: Es ist erst vor einer Woche oder so erschienen.
00:21:45: Na ja auch dann!
00:21:46: Aber das ist einfach schon so ein Ereignis dieses Buches.
00:21:50: Und ich habe heute geschaut was da schon so da ist.
00:21:52: Und es gibt halt eigentlich fast doch keine Besprechungen.
00:21:54: Und zwar hat es nämlich den europäischen Literaturpreis in diesem Jahr gewonnen Dora Kapralova für die Maribor Hypnose.
00:22:02: Das ist aus dem Tschechischen übersetzt von Natascha Von Kopp, auch ein unabhängiger Verlag und die Maribo-Hypnose hat auch schon ganz viele andere Preise gewonnen.
00:22:15: Die ist wirklich ein hochdekorierter Roman.
00:22:17: Also in Tschechen räumt alle Literaturpreise.
00:22:21: Und meiner Meinung nach auch völlig zu Recht, weil das ist zwar ein relativ dünnes Buch und es liest sich auch.
00:22:26: Das muss man gleich am Anfang dazu sagen.
00:22:28: Es ließ sich wahnsinnig leicht.
00:22:31: Aber trotzdem ist es so ein literarisches Schwergewicht.
00:22:34: Jetzt versuche ich mal zu erzählen, warum ist das so?
00:22:37: Und zwar geht um eine Erzählerin die bleibt namenlos und die fährt mit dem Flixbus nach Maribor.
00:22:44: Maribó liegt nicht in Tessien sondern in Slowénien Südsteiermarkt glaube ich oder so, also relativ weit immer auf die Karte guckt.
00:22:54: Sehr weit im Osten von Slowenien, genau so eine Stadt weiß ich nicht, hundertausend Einwohner oder sowas.
00:23:01: und da fährt die Erzählerin hin mit dem Flixbus mit dem Auftrag einen Bedecker über diese Stadt Maribor zu schreiben.
00:23:08: Und die ist aber auch ein bisschen lost.
00:23:10: das kriegt man eigentlich relativ schnell mit.
00:23:12: und dann kommt sie dann irgendwie an und mietet sich in einem Hostel ein beschreibt, wie sie da so ist.
00:23:21: Und dann wird auch schnell klar, hier findet gerade ein Metal Festival statt in dieser Stadt.
00:23:26: Das ist Metal-Fans aus der ganzen Welt.
00:23:29: Es ist ja Slowenien auch ein bisschen bekannt für diese Musikrichtung und das Bild aber eigentlich kaum eine Rolle dieses Metal Festivals.
00:23:36: Aber es findet halt statt und sie läuft dann so durch die Straßen und hat so eine Obsession für Fliegen.
00:23:42: Das macht jetzt das Cover
00:23:44: sehr logisch.
00:23:46: Es wird auch erzählt, also es wird beschrieben, dass diese Geschichte aus der Perspektive einer Fliege erzählt ist aber es ist nicht ganz so.
00:23:53: Also es ist schon eine Menschenerzählerin, aber sie sucht in dieser Stadt immer die Fliegen und sagt, dass irgendwie eine Flieger ungefähr zweiundzwanzig Tage lebt und in dieser Zeit zwanzig tausend Eier legt und dann ist sie halt wieder weg.
00:24:10: Und dann gibt es eine Stelle relativ am Anfang, der schreibt sie wie eine Fliege die Wirklichkeit annimmt.
00:24:15: Und zwar schreibt Sie... Die Flieger nimmt die Wirklichkeit stroboskopisch wahr und kann auch noch den Raum vierdimensional erfassen.
00:24:26: So, jetzt haben wir vier dimensional hat ne?
00:24:28: Also hatten wir ein Längebreiter tiefer, das sind die drei Dimensionen und die vierte ist halt die Zeit eigentlich.
00:24:35: So hab ich's mir zumindest ausgedacht!
00:24:37: Genau.
00:24:37: Und jetzt ist es nämlich so, dass während sie da in Maribor rumläuft, erzählt sie noch eine zweite Geschichte und die ist von einem Hypnotisier der Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Maribo geboren ist und eigentlich erzählt sich seine ganze Lebensgeschichte.
00:24:52: Der heißt Leopold Svengali.
00:24:56: So!
00:24:57: Und er konnte irgendwie so Leute hypnotisieren.
00:24:59: hat das auch so eine... Ja, genauso wie Zirkusnummer und so was.
00:25:04: Und der hat eine deutschen Minderheit in Slowenien angehört in gottischer Deutschen.
00:25:09: Konnte also nicht so richtig Slowenisch.
00:25:12: War da immer ein bisschen ausgegrenzt, war auch ein ziemlich so ein kleiner stiller Junge und so etwas.
00:25:16: Er erzählt wirklich die ganze Lebensgeschichte von Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis zu seinem Tod, vom eindlischen Tod, den Sechste-Siebzig so... ...und er war auch dann Soldat im ersten Weltkrieg ist dann irgendwie nach Russland gekommen und es ist total spannend, weil sie immer wieder über ihn erzählt.
00:25:32: Und das auch sehr lebensnah.
00:25:33: Dann gibt's noch so einen zweiten Protagonisten in dieser Vergangenheitsebene, Josip Prós, den wir besser kennen als ... Josef
00:25:44: Roth?
00:25:44: Nein, den menschlichsten Diktator des zwanzigsten Jahrhunderts als Tito.
00:25:49: Weil der Tito hat mal diesen Weg von diesem Hypnotiseur irgendwie gekreuzt.
00:25:55: Die waren in die gleiche Frau verliebt, aber der Hypnotisur hat sie gekriegt.
00:25:59: Nämlich die Alice und der Tito war dann die ganze Zeit ziemlich sauer, weil der Hypnotisur dieser kleinen Nichtsagende diese Fliege in der Geschichte kann man mal wieder so eine Parallelde ziehen.
00:26:10: Diese Fliegue in der Geschichte hat halt diese tolle Frau kriegt und der Titto dieser große Revolutionär an einer Stelle wird mal geschrieben mit der Berufsrevolutionär was eigentlich auch nicht so richtig funktioniert, aber er hat es halt nicht gekriegten.
00:26:23: Und dann gibt es aber eine ganz fiese Naturles, weil er wird Diktator.
00:26:26: Eine ganz fiese wie so nach Hacheraktion also nach forty-fünf als die Kommunisten, die Revolutionäre in Slowenien, die Macht übernimmende Recht sich Tito dafür, dass der andere die Elles bekommen hat und auch an Elles.
00:26:42: Das kann ich jetzt wirklich nicht erzählen, weil das ist eine hochtraurige Geschichte und deswegen liest man auch die ganze Zeit weiter...
00:26:47: Aber du hast jetzt mehrfach gesagt, es liest dich ganz leicht?
00:26:50: Genau!
00:26:51: Ja, weil man die ganze Zeit so mit diesem Svengali an diesen Hypnotisierer sehr dran ist und es ist sehr witzig erzählt.
00:26:58: Es gibt zum Beispiel auch einen Künstler der kann sehr lustige Kunstfiguren scheißen und das ist im Zirkus seine Chance oder dass er z.B.
00:27:09: das Gesicht von Stalin scheißern kann oder so.
00:27:11: Also das ist immer auch so absurd komisch.
00:27:13: also ja fast ein Beckertumor.
00:27:15: irgendwie Anhand dieser historischen Figur erzählt sie halt auch, dass das zwanzigste Jahrhundert in Maribor und da weiß ich zum Beispiel nicht wusste es, dass in Maribo eine der größten Massengräber des Zweiten Weltkriegs entstanden sind.
00:27:30: Das heißt Artesno, glaube ich genau... Was gibt diesen Film?
00:27:37: Gibt's nicht Rückkehr nach Maribo?
00:27:38: Maribo kann sein.
00:27:40: Genau!
00:27:41: Und so fliegt sie halt Diese Geschichte dieser Stadt, also Eigenklis, wie fast eine BDK-Geschichte.
00:27:46: Warum wollte
00:27:46: sie da hinweisen?
00:27:47: Weil es in der BDk-Ggeschichte darüber schreiben wollte...
00:27:49: Genau und erzählt dann aber die Geschichte dieser Eigenkliss in der großen Geschichte Europas, verlist unbedeutenden Figur dieses Hypnotiseurs.
00:27:58: Aber Sie verbindet das mit dieser Titelgeschichte so und auf einmal wird das doch europäische Geschichte.
00:28:04: Und das spürt sie so alles auf, aber halt mit diesem Stroposkop abartigen Blick.
00:28:09: Was ich es gesagt habe und Stroposcope ist kennst du einfach so vom Tanzen oder so?
00:28:13: Wenn man sich so bewegt im Stropop, man sieht immer nur so stills dann ist wieder schwarz hat mein neues.
00:28:18: und so erzählt die halt auch.
00:28:19: also Es ist immer mal ist man mit ihr in der Gegenwart.
00:28:22: Sie läuft durch dieses Mettelfestival Maribor irgendwie fühlt sich total fremd und er geht läuft zum Beispiel dieses knallhaisen so ein Schwimmbaden da fehlt aber das Wasser und dann kommt halt raus dass der Architekt Das Schwimmen war, als auch an diesen Massenkrab gelandet ist.
00:28:35: Auch immer wieder brutal und dann wieder absurd.
00:28:38: Und so ist dieses Stroposkop mal kurz an.
00:28:40: Ungleichzeitig vierdimensionale.
00:28:43: Es springt in der Zeit.
00:28:45: Zum Schluss ist es aber auch alles eine gewisse Hauchvernichtigkeit vielleicht wie ein Fliegenleben.
00:28:52: Was mir gut daran gefahren hat, das gab man von Georgi Gospodinov.
00:28:57: Eine Geschichte, die aus der Perspektive einer Fliege erzählt ist.
00:29:01: Das ist halt immer so ein Perspektivwechsel aus einer Perspektive, die man vielleicht im Alltag überhaupt nicht wahrnimmt.
00:29:07: Weil für uns ja auch Fliegen eher ...
00:29:09: Nervig!
00:29:10: Also wenn sie auffallen, dann hatten sie genau als nerviges störendes Elemente aber dass die halt selber eine eigene Weltwahrnehmung haben.
00:29:17: und wenn das mal so ein Literatur übersetzt, außer aus einer kleinen marginalisierten Perspektiven heraus.
00:29:23: die Welt waren hier... Dann schlägt es auf einmal so Funken und man kann auf die Gesichteplicken und ganz neue Sachen erkennen, um ganz neue Bedeutungszusammenhänge.
00:29:32: Und zum Schluss – das kann ich jetzt wirklich leider nicht erzählen Leute!
00:29:35: Das müsst ihr selber lesen – führt sich diese beiden Geschichten auch zusammen.
00:29:39: Und es ist schon was so ein magischer Realismus der dann reinkommt aber mit so einem Augensfingern oder mit so nem historischen Bewusstsein dass das wirklich einfach Spaß macht zu lesen weiß?
00:29:48: Es sich immer sehr ernst und gar nicht ernst nimmt.
00:29:51: So beides zusammen und das ist eine Kunst wie glaube ich nur wenige können.
00:29:54: Ich
00:29:55: bin mir sicher, wenn die Buchmesse erst mal richtig angefangen hat, dann wird sich das Pühltor überschlagen.
00:29:59: Ich
00:30:00: glaube auch und ich hier hatte es jetzt hier hundertfünfzehnte Seiten und es ließ sich sehr schnell die Maribohypnose und ist halt trotzdem sehr lange nach des Ausdrundsatz, den man oft sagt aber...
00:30:10: Wir haben heute die erste Folge nachts der Sommerpause dürfen mit drei Phrasen.
00:30:14: Genau wir waren im Literaturkritik-Sommerlage, aber haben die ganze Zeit noch einen Strand gelegen und nichts gemacht.
00:30:20: von Dora Kapralova Die Maribohypnose aus dem Täschischen von Natascha, vom Kopf.
00:30:25: Also ich den Mikrotext auch sehr hoch anrechnen ist dass sie die Übersätze auf das Kavak geschrieben
00:30:29: haben.
00:30:30: Hat Antia
00:30:31: auch gemacht?
00:30:32: Am meisten machen es ja eher die kleinen Verlage und die großen oder die unabhängigen.
00:30:37: So eine große Entdeckung.
00:30:38: danket, dass das übersetzt wurde und stimmt viele Leser.
00:30:42: Was hast du als Nächstes?
00:30:43: Ich habe wunderbarerweise ein Buch, das man ganz großartig nacherzählen kann.
00:30:47: Ich bin so dankbar für diesen Plot und ich habe eins wo eine Übersetzerin nicht aufs Kawa muss weil es keine gibt und ich hab kurz überlegt ob es funktionieren kann dass in diesem Podcast zu tschechischer Literatur zu besprechen.
00:30:58: aber natürlich gehört Jakob so was neues Buch im Licht des neuen Tages sehr sehr sehr finde ich auf die Frankfurter Buchmesse und wird auch von den dortigen Zuständigen als Lektüreliste empfohlen.
00:31:11: also sind wir auf der sicheren Seite.
00:31:13: Es geht um Ellie Hayek, ist Schriftstellerin und hat schon okay Romale geschrieben.
00:31:19: aber eigentlich will sie den richtig großen Durchbruch mit dem Sie die Kritik auch final wirklich überzeugen kann, die ihr immer so ein bisschen unterstellt.
00:31:29: Eigentlich fühlt sie es nicht so richtig, eigentlich fehlt ihr das Gefühl der Figuren.
00:31:35: Und das möchte sie jetzt unbedingt machen.
00:31:37: Sie hat eine Tochter, die heißt Clara mit K und Kallara mit K geht zum Studieren, zieht aus und Ellie stellt es ein bisschen fest, die hat ihr alleine aufgezogen.
00:31:46: Oh Mann wir sind gar nicht so dicke wie ich dachte!
00:31:48: Die ist jetzt einfach zum studieren und einfach weg und die ruft mich gar nicht zurück.
00:31:51: und hier ist irgendwie jetzt in ihrem Leben und ich hänge jetzt irgendwie so da... Ellie auch nicht allein, sondern sie ist zusammen mit so Jan.
00:31:59: Der ist Bühnenbildner, geschieden schon seit fünf Jahren und Jan wartet eigentlich darauf das jetzt endlich bald mal zusammen zu ziehen können weil irgendwie er bereit für so eine ernsthafte und für den nächsten Schritt Und Ellie aber irgendwie nicht und mietet sich stattdessen ein Waldhaus völlig abgelegen Weil sie sagt sie zieht sich jetzt dorthin zurück und schreibt endlich diesen Roman Mit dem Sie wie gesagt wirklich den ganz großen Durchbruch machen will.
00:32:21: Und während sie im Wald ist, erinnert Sie sich.
00:32:24: Es fängt genau so an das Buch aus dem Nichts heraus sozusagen plötzlich eine Figur die sie gehört hat in den Erzählungen damals ihrer Großmutter Victorca Das es eine Erzählung gewesen eigentlich nur ein Seitenstrang in einem der berühmtesten Bücher Tschechians, also auch heute noch Schullekture in hunderttausend Auflagen erschienen.
00:32:48: In dem Buch wird mehrfach gesagt es gibt so viele Bücher.
00:32:51: statistisch hat jeder tscheche sprechende Haushalt mindestens zwei von einer Autorin.
00:32:57: ich will kurz vorher sind wir nicht beide ein bisschen im Team drei Haselnüsse für Aschenbrödel?
00:33:02: Sind wir schon?
00:33:03: und weißt du wer die literarische Vorlage geschaffen hat?
00:33:06: irgendwie die Krims?
00:33:07: Nee, falsch.
00:33:09: Und es ist so lustig, dass wir den solange kennen und so oft gucken und manchmal die
00:33:11: Musik verlaufen lassen.
00:33:12: Das war ja auch eine deutsch-testsische Co-Produktion?
00:33:14: Genau!
00:33:14: Aber die tschechische Vorlage kommt von einer Auturin, die heißt Burjana Njemcova – und die hat unter anderem eben die Vorlage für drei Haselnüsse für Aschenprodukte
00:33:25: gemacht.
00:33:26: Die ist schon tot gewesen.
00:33:28: Sie hat kein Drehbuch geschrieben, aber die hat sozusagen das Märchen dazu vorgelegt und Borjana Nemtsova war im Jahrhundert eben so eine ganz berühmte... Also nee sie war auch wahnsinnig arm und es hatten sehr interessantes Schicksal!
00:33:40: Aber sie hat Märchen uns sagen, Den tschechischen Sprachraum, eine ganz besondere Rolle spielen.
00:33:47: Das erklärt Jakar Kubser war auch sehr genau, auch so unter sowjetischer Zensur manchmal noch so Möglichkeiten hatten gewisse Dinge auszudrücken und auch in einem Kulturraum der oft so zerfranst war, der oft überrollt wurde, der auf wir haben es vorhin gehört besetzt wurde und wo Sprache nicht gesprochen werden durfte.
00:34:06: spielte das irgendwie ne Ernst oder spielt immer noch eine sehr, sehr besondere Rolle.
00:34:10: Zumindest ist eines der berühmtesten Bücher von dieser Burjana Nyenzova ein Buch über ihre Großmutter.
00:34:16: und da spielt diese Viktorka ... Eine ganz kleine Nebenrolle.
00:34:19: Und die ist eigentlich die Verrückte, die im Wald lebt und die Leute aus dem Dorf sehen sie ab und zu.
00:34:24: Man erzählt sich schauerliche Geschichten über Sie und hat verfilzte Haare... Wie
00:34:27: so eine späte Hexe?
00:34:29: Es gibt große Gerüchte was sie für ein Verbrechen begangen hat.
00:34:31: ich will da gar nicht so viel erzählen.
00:34:33: An die erinnert sich eben diese Ellie in der Gegenwart.
00:34:35: und weil der Jan sie plötzlich besuchen will Kriegt relativ schnell raus, dass sie gerade nicht in der Lage ist mit dem zu reden und eine Beziehung zu führen.
00:34:44: Und sich mit der Zukunft auseinanderzusetzen.
00:34:46: Flüchtet Sie sozusagen und sagt ich fahre mal kurz nach Tschechien!
00:34:48: Mein Roman kommt nicht richtig voran.
00:34:50: Ich kann den Jan nicht sehen meine Tochter geht nicht ans Telefon.
00:34:52: was mache ich?
00:34:53: Ich stürze mich ins nächste Projekt und fährt aus einem Impuls raus seinem Besuch so zu sagen zu umgehen Nach Tschechin.
00:34:58: und dann macht sich so ne ganz ganz große Geschichte auf über die ich jetzt überhaupt nichts zu viel erzählen will aber Es ist ein Roman der auf ganz tolle Weise und ich habe so ein bisschen die Bücher dich heute aus dem tschechischen Habe so chronologisch gesetzt.
00:35:13: Während Alitze Horaczko war sehr historisch, es ist Jaka Kupsova ein sehr heutiger Roman über eine Frau die einfach in einer großen Krise steckt und in dieser Krise muss sie mit einer Sache aus ihrer Vergangenheit aufräumen.
00:35:26: Und das hat ganz viel zu tun damit dass sie – und das kann man schon verraten – mit ihren Eltern aus der Tschechoslowakei geflohen ist und was sie dabei und danach erlebt hat.
00:35:37: Aber in den Sechstzigern?
00:35:38: Nee, in den ... Weiß ich nicht.
00:35:40: In den Achtzigern wahrscheinlich.
00:35:43: Siebzigern, achtzigern und aber mit so einem Bewusstsein.
00:35:48: Und das ist so hilfreich was... Es ist hart und schwer zu lesen, aber es war mir noch mal so ein Trost.
00:35:53: Weil das so miteinander verwebt unter welcher Belastung man steckt, wenn man aus einem Regime fliehen muss.
00:36:01: Aus dem sozialistischen Regimen auch aus politischen Gründen.
00:36:04: Dann sind die ja nach Westdeutschland geflohen?
00:36:07: Ja,
00:36:07: nach West-Deutschlands.
00:36:09: Die sind sozusagen über Ungarn in den Westen angekommen.
00:36:13: Das haben wir von vielen gehört, die aus der DDR fliegen mussten
00:36:17: usw.,
00:36:17: dann erst einmal in diese Auffanglager... in eine Sozialwohnung und es kann nicht aufhören, finde ich auch darüber immer wieder Geschichten zu geben damit man sich das irgendwie besser vergegenwertigen kann.
00:36:28: Jetzt ganz schnell noch zum Abschluss!
00:36:29: Das Buch hat aber eine unfassbar schöne Märchenhaftigkeit und anders als beim Alice Wodaczkova Cover musste ich mich von einem sehr magischen goldenen Rehe- und ein Hirsch auf einer Waldlichtung an einem Seegoldtöne... Da habe ich erst gedacht hui, das sieht aber sehr romantisch
00:36:48: aus.
00:36:49: Ja, es ist coversmutig finde ich.
00:36:54: Weil es wirklich eine große romantische Luft generiert und ich dachte erst so... Ich bin ein großer Fan von Marschlande und ich mochte auch Bergland von Jakar Kupsova davor sehr Und hatte so ein bisschen Angst dass das jetzt vielleicht so ein Oah wird.
00:37:08: aber natürlich habe ich mich getäuscht löst ein, dass sie einfach eine brillante Schriftstellerin ist.
00:37:14: und vor allem macht dieses Tava am Ende dieses Buches total Sinn.
00:37:18: Denn Märchen und magisches ziehen sich zwar durch aber es geht immer um die literarische Bedeutung dieser Dinge.
00:37:26: also es geht auch immer darum was da an Literatur transportiert wird.
00:37:30: ganz toll.
00:37:30: Ich muss sagen jetzt ist noch zwei Hörse zu sehen.
00:37:34: dir Das sind ja auch so magische Märchen hier.
00:37:37: Ja, und
00:37:37: das Märchen mit den weißen
00:37:39: Hürschen?
00:37:39: Natürlich!
00:37:40: Der Hürsch mit dem goldenen Geweih... Genau, aber
00:37:41: es waren russisches
00:37:43: Märchen.
00:37:44: Es macht total Sinn, dass das Cover so aussieht.
00:37:47: Wenn man Werkland- und Marschlande gemocht hat wird man mit diesem Buch unfassbar glücklich werden.
00:37:51: Ich bin's geworden.
00:37:52: Aber ist
00:37:52: da ein bisschen kitschig?
00:37:53: Ja, ich wollte es nicht sagen.
00:37:57: Ein Buch, das ein kitschiges Cover macht und dann aber schafft eine Geschichte zu schreiben wo man hinterher denkt klar, das war das einzige Cover was da ging.
00:38:04: Das finde ich eine ganz schön tolle Leistung.
00:38:07: Und im Licht des neuen Tages hat gar nichts kitschiges, es hat ganz viel was davon handelt, was das Schreiben im Leben ausmacht wie wir uns Geschichten erzählen auch in dieser Klammer von Ellie die heute Romane schreibt zu dieser Vektorka Die in einem Roman beschrieben und ganz falsch dargestellt wurde von einer Frau nämlich von Burjena die im Jahrhundert als Schriftstellerin versucht hat Erfolg zu haben und wieder ganz andere Herausforderungen sozusagen überwinden musste.
00:38:35: Dafür gab es wahrscheinlich im Zehnchen, im Neunzehnten ohne doch gar keinen Platz oder für verschreibende Frauen?
00:38:40: Ja und die war auch aus so einem lustiger Weise ein Dorf am Riesengebirg.
00:38:46: Es spielt eigentlich fast in einer ähnlichen Ecke wie Alice Moratschkowas Buch.
00:38:52: Und man lernt ganz viel und merkt auch hier das Jager Kopsauer wahnsinnig viel recherchiert hat.
00:38:57: aber es liest sich einfach wirklich... Man kann es wirklich gar nicht zur Seite legen.
00:39:01: also ich habe das Buch Verschlungen und war hinterher traurig, als es vorbei war, was immer auch eine sehr gute Geschichte ist.
00:39:07: Im Licht des neuen Tages von Jaka Kupsova.
00:39:12: Ich habe Marschlande geblöbt.
00:39:13: Das
00:39:13: haben
00:39:14: Sie einfach genommen?
00:39:15: Es hat gerade Maria's Namen auf der Uffe gesehen, deswegen habe ich ein bisschen gestürzt.
00:39:18: Ja weil ich so Marsch lande ganz toll fand...
00:39:20: Er müsste mal in die Buchhandlung gehen und mal einen Buch finden, wo der Marianist hinten draus steht.
00:39:26: Das ist einfach das die Blöbkönige!
00:39:28: Ja, ich finde es cool.
00:39:29: Ich bin sehr
00:39:31: stolz auf
00:39:32: das.
00:39:32: Ich habe jetzt wieder zu lange gebraucht
00:39:34: aber... Aber du hast vorhin einen manninen Oharatischvili erwähnt.
00:39:38: Im achten Leben gibt's ja auch eine ganz starke Szene die ein Chesschen spielt.
00:39:42: Ja, aber
00:39:43: wir müssen jetzt sehen.
00:39:45: Ich glaube, ist es in den neunzen und sechsten Jahrzehnten oder als die sowjetische?
00:39:50: Was willst du nicht drüber
00:39:51: reden?
00:39:51: Ja, ich finde wenn wir jetzt nie nur eine Radtisch-Studie an diesen technischen Tisch bringen dann fällchen uns hier alles
00:39:56: runter.
00:39:56: Das fand es ja auch gar nicht so.
00:39:57: die stärkste Szene des Buches.
00:39:59: Jetzt mach' ich weiß was ich hier relativ selten mache aber das versuch's einfach trotzdem.
00:40:03: Versuchs
00:40:04: mal.
00:40:05: Und zwar bespreche ich jetzt einer Graphic Novel Die von der weltberühmten technischen Übersetzerin Julia Miesenberg übersetzt wurde und gemalt und geplottet wurde von Steppanker Yerslova.
00:40:18: Und diese Gravick Novel heißt Hardcore, aber nicht Hardcore wie Hart.
00:40:23: Sondern Hart wie Herz.
00:40:26: Hart-Herz-Core.
00:40:27: Ganz schön auch so ein
00:40:29: bisschen Lack drauf.
00:40:30: Erschieden ist die Beiberlandung Quist schon wieder... Marie, ich habe nur eine unabhängige Verlage.
00:40:36: Hans hat
00:40:37: jetzt mal kurz was darauf einbildet?
00:40:39: Muss ich mal kurz einen Prost auf eine unobhängige verlage trinken?
00:40:44: Ja!
00:40:45: Genau und zwar Hardcore.
00:40:47: Wie der Name schon sagt geht so mehr Herz.
00:40:51: Und was das Herz alles mit uns anrichtet und erzählt wird es von aus der Perspektive einer.
00:41:00: ja, ist ein bisschen also ich würde schon sagen aus der perspektive eine Frau wo sie mit ihrem eigenen Frau sein auch hart hat das muss man vielleicht schon so dazu sagen und erzählt praktisch...
00:41:11: Aus einem Genderaspekt heraus?
00:41:12: Ja
00:41:13: genau!
00:41:13: Also sie fühlt sich mit diesen mit dem, was ihr als auch in ihrer Kindheit zugewiesen wird wie sich Mädchen denn zu kleiden und zu verhalten haben ist wohl.
00:41:25: Also sie spielt halt viel Liebe mit Jungs und sie will mit diesem ganzen binären Geschlechterkonstrukt in der Erziehung damit fremdelt sie.
00:41:33: Damit kommt sie nicht so richtig zurecht und das bereitet ja auch große Probleme weil sie halt nicht in diesen Rollen musste sich verhalten und spielen will dieses sich nicht zurechtfinden, in gesellschaftlich vorgegebenen Rollen.
00:41:47: Das ist so was ein Problem das ich eigentlich durch die ganze Geschichte hindurchzieht.
00:41:55: und sie will dann auch später unbedingt einen Partner haben.
00:41:57: also da ist es schon meistens relativ klar dass es ein Mann ist mit dem sie zusammen sein will weil sie halt denkt das ist so.
00:42:05: das Glück der Erde liegt auf den Rücken der Männer keine Ahnung oder?
00:42:11: Also es ist so ein ganz starker Impuls in ihr, dass sie eigentlich erst dann ein vollständiger glücklicher Mensch ist.
00:42:18: Wenn Sie in einer
00:42:20: zwei romantischen
00:42:21: Beziehung mit einem Mann, mit dem sie Sex hat und der bei ihr bleibt und in der Beziehungen auch glücklich sind?
00:42:30: Genau.
00:42:30: Und dann wird so in verschiedenen Stationen erzählt sie ihr Leben, was sie dann halt immer für Kontakt mit Männern hatte.
00:42:38: Als kleines Mädchen wollte sie mit ihnen spielen und durften es weil sie ein Mädchen war und genau mit einem Mädchen spielen sollte.
00:42:45: Und als Schülerin ist sie später eher die Außenseiterin und kriegt's nicht so richtig hin dass irgendein Junge ihr schreibt hier willst du mit mir gehen?
00:42:53: Nein vielleicht und sowas!
00:42:55: Und dann später auch als Kunststudentinnen datet sie unglaublich viel und dann erzählt sich auch was.
00:43:02: Das finde ich sehr interessant, weil das ist so typisch Berlin auch ein bisschen, obwohl es gar nicht in Berlin spielt.
00:43:09: Entweder gibt's diese... Typisch
00:43:10: Berlin?
00:43:10: Obwohl jetzt gar nicht im Berliner
00:43:11: Spiel gespielt wird?
00:43:12: Ja, weil da ist kein so... Es ist so ein Berliner Beziehungsmuster, weil sie dort so entfaltet.
00:43:15: Und zwar gibt es dann so diese zwei Wege, da hat das malen Sie auf einer Seite ganz Pantomimis, der braucht sich gar keinen Text.
00:43:23: Das gibt es auch manchmal in Zeitungen, dass man sagt okay entscheidest du dich dafür dann passiert das und entscheidst du dich da für passiert das.
00:43:28: Und entscheidet du für das andere dann das?
00:43:29: Dann hast du wie so eine Grafik.
00:43:31: Ja genau!
00:43:32: Und dann sagt sie so zum Beispiel ok Sie datet ein Typ und dann findet sie ihn total toll.
00:43:39: Und er stößt sie ab, dann findet sich ihr noch toller und so was.
00:43:42: Und dann entsteht wie so ne Art Euphorie und sie rennt ihm hinterher.
00:43:45: aber wenn Wenn er sie praktisch auch toll findet, dann ist sie abgestoßen.
00:43:51: Weil sie kommt gar nicht mit seiner Nähe klar und dann rennt sie eher weg.
00:43:56: Und da gibt es halt immer so die verschiedenen Konstellationen und am Ende wenn man diese ganzen Pfeile so durchspielt Kommt immer raus, sie ist allein Sie schafft es halt nicht eine Beziehung zu bauen Genau.
00:44:08: und dann erzählt sie das und hat sie so eine Beziehen zu einem Michall.
00:44:13: Ich finde das Ganze massiv, glaub ich, sogar namenlos und der will gar keine Beziehung mit ihr.
00:44:17: Also er sagt... Sie
00:44:18: hat eine Beziehungen?
00:44:19: Ja genau!
00:44:20: Aber es ist nicht so dieses klassische romantische Konstrukt von wegen.
00:44:23: wir erzählen jetzt unseren Eltern dass wir zusammen sind Wir planen gemeinsam unsere Zukunft, wir gehen in Commitment ein und sowas.
00:44:28: aber sie sehen sich oft und schlafen miteinander.
00:44:32: also es ist so na...
00:44:33: Aber er will sich nicht festlegen
00:44:35: ja genau und aber vielleicht sie auch, also sie wissen eher als er Aber bei er sich nicht festlegen bleibt sie dran.
00:44:42: Und da würde ich sagen, dieses Hardcore ist eine Geschichte der Halbtistanz.
00:44:49: Also so eine Art von Beziehung in der man ein bisschen Verbindlichkeit eingeht aber nicht so richtig viel und eigentlich beide auch ein bisschen drunter leiden... Bereits sind noch diesen Schritt weiterzugehen und wirklich in Nähe zuzulassen, so in der ganzen Komplexität die dann auch dazugehört.
00:45:05: Sondern es ist immer... Wir treffen uns mal alle drei Wochen aber danach lassen wir's doch bitte wieder in Ruhe, wir vögeln aber bitte kuscheln nicht oder so nach dem Motto Und sie geht daran kaputt.
00:45:15: Also sie geht wirklich richtig.
00:45:16: Aber du hast jetzt so geschrieben dass man irgendwie auch das Alternative ja nicht aushalten.
00:45:23: Genau
00:45:24: Das
00:45:25: ist ein Dilemma.
00:45:28: Sie wünscht sich ganz stark eine Beziehung, dann hat sie halt diese Halbdistanzbeziehungen.
00:45:32: Drei Jahre oder so, das funktioniert auch so halbwegs und ihr kennt ja mit dem würde es sich aushalten aber vielleicht auch weil er sich nie wirklich richtig nah an sich ran lässt.
00:45:42: Und dann wird's ein bisschen Liveströhmquist-mäßig, aber nicht ganz so deep diving.
00:45:48: also ist hier besser oder sagen wir mal leichter erzählt bei sie erzählt ernehmlich sind.
00:45:52: da kommt man zum Kern der ganzen Geschichte.
00:45:54: ... in einen Roman oder eine graphic novelne Geschichte über Bindungsstörungen ist.
00:46:00: So, und dann gibt es halt diese vier Typen... ... diese vermeidenen und diese... genau also das praktisch gibt's eine Bindungstheorie,... ...dass es halt in der Kindheit schon alles angelegt ist,... ...das je nachdem wie sich deine Eltern mit dir beschäftigt haben,... ...ob die das halt eher weggeschickt haben, dann bist du halt so ein vermeidender Bindungstrübo... Eltern immer ihre ganzen emotionalen Probleme auf dem Kind abgeladen haben.
00:46:24: Aber geht
00:46:25: es sozusagen in der Fiktion um diese sachliche Passage oder entwickelt sich das gerade dann zu einem Sachbuch?
00:46:32: Naja, also sie versucht dann als Erwachsene-Künstlerin so herauszufinden warum sie so bindungsgestürt ist und dann geht's ihr halt diese sozusagen Sachbuchtschirne und erklärt das so ein bisschen woher diese Bindungsstile kommen.
00:46:47: Und das hat mich halt sehr an Liv Strömquist erinnert, weil es ja auch immer so ein eigentliches...
00:46:52: Zum Essay ist
00:46:53: mehr als nur eine Sache.
00:46:54: Mit Erzähltechnik und Theorie erklären, genau.
00:46:58: Willst du mal was
00:46:58: zum Strich
00:46:59: sagen?
00:46:59: vielleicht, dachte ich gerade?
00:47:01: Also ich habe gelernt, dass sowas reduzierte Palette heißt also es gibt eigentlich nur zwei Farbtöne.
00:47:06: Das eine ist so rot bis ins Rosanne gehende und das andere ist so ein Grau-Plau.
00:47:15: dass es eine relativ einfache Technik ist, um halt auch die Geschlechterbinarität in irgendeiner Art und Weise dazu stellen.
00:47:23: Es gibt zum Beispiel Passagen, die sind komplett nur rot gezeichnet, wo Männer gar keine Rolle spielen und dann trägt sie aber auch selber manchmal blau, wo man vielleicht vermuten könnte, dass sie nicht nur weibliche Anteile in sich hat.
00:47:39: Und das ist auch kein Knallblau.
00:47:42: deswegen fand ich jetzt auch gar nicht so... Dieses Obvies, Rot-Plau und dieser Kontrast.
00:47:47: Es ist nicht so super dass man so jungen Mädchen Theorie denkt.
00:47:50: Nein, es wird auch mal auf dem Essen...
00:47:51: Es ist auch super interessant das man in so wenigen Farben trotzdem so... Also manchmal ist es eher, dass man richtig zu dem kommt was man sehen soll wenn weniger Farbe eingesetzt wird.
00:47:59: Das ist ja schon sehr unterschiedlich.
00:48:01: also es gibt jetzt gerade eine Seite gezeigt die er reduziert gemalt ist aber es gibt schon auch Seiten wo wirklich viel drauf ist was untergehen könnte oder verschwimmen.
00:48:11: Es ist sehr detailreich, genau und ich finde es auch ein sehr markanten Strich irgendwie.
00:48:17: sie schafft das mit die Emotionen der Figuren also so mit ganz wenig Mitteln anzudeuten.
00:48:22: Das ist das erste Buch was ich glaube seit langer langer Zeit gelesen habe was keine Paginierung hat, also keine Seitenzahl.
00:48:28: Ich wollte mir manchmal aufschreiben Archie auf Seite zweihundert zwölf erzählt sich das aber gibt keine Seiten.
00:48:33: Anweistestes Absicht?
00:48:34: Wuland und Quizz haben Sie vergessen?
00:48:36: Ich hoffe, dass es absichtlich ist.
00:48:38: Aber das finde ich ein bisschen... Das ist bei Graphic Novels jetzt auch nicht völlig verboten.
00:48:42: Also ich habe auch mal gesagt, ich glaube keine Bücher zu Hause sonst.
00:48:46: Wulande und Quiz guckt nicht zu, sonst mussten sie immer sagen wer da
00:48:50: geschlafen hat.
00:48:50: Genau!
00:48:51: Also ich hätte es am Anfang eines gedachtes, dass sich wirklich so eine Art Bindungstheorie Graphic Noble hinein entwickelt weil andere Pferde legt am Ende.
00:49:00: Ich hätte eher so gedacht, dass
00:49:02: es
00:49:02: ja oder auch ein Genderdysphorie oder sowas.
00:49:06: und dann legt sie aber... Dann kommt aber zwischendurch noch einen Thema auf was sie in ihrer Jugend erlebt hat, was sie schwerstraumatisiert hat.
00:49:15: Das will da jetzt gar nicht so, weil das ist doch ein bisschen so ... dramaturgisches Gravitationszentrum.
00:49:22: Man will das dann ein bisschen, deswegen verrate ich es jetzt gar nicht aber... Das gelegt sozusagen noch mal eine Schippe drauf auf diese Bindungstheorie, dass erst durch unsere Eltern sich mit uns beschäftigt haben lernen wir Beziehungen plus dieses Traum.
00:49:33: und da habe ich gedacht,... Es kann ja sein, dass dir das passiert ist geht auch im Autofiktion, das verhandelt sie auch, dieses Wort-Autofiktionen und ob das auf das zutrifft was die tut?
00:49:42: Aber in dieser Kombination aus, wir erklären jetzt eine Bindungsstiltheorie.
00:49:47: Plus diese Traumageschichte habe ich gedacht es ist ganz schön schwer für einen Buch was du alles willst.
00:49:54: also weil sie vor allen Dingen diese Trauma Geschichte dann so auf zehn zwölf Seiten kurz erwähnt und dann aber auch wieder relativ fallen lässt.
00:50:02: Aber ich dachte zum Beispiel, gerade in
00:50:05: der Literatur würden wir das total durchgehen lassen als wenn es keine Graphic Novel wäre, weil ich so dachte, als du so gesagt hast, sie muss ein bisschen gucken dass sich irgendwie den Zwiespalt mit ihrem... wie sie gelesen wird, damit klarzukommen.
00:50:20: Dann diese Wunsch nach Beziehung und diese Unfähigkeit gleichzeitig dieses Dilemma.
00:50:25: Und dann dachte ich es eigentlich voll cool wenn man dann A noch so reinbaut was man darüber gelesen hat rausgefunden hat aber auch der Leserin, der die Leserin noch herausfindet sozusagen das könnte so das Ding gewesen sein.
00:50:38: war es für dich besonders schwierig macht oder sowas.
00:50:41: Also für mich ist das
00:50:43: in dem,
00:50:43: ne?
00:50:43: Es würde auch eine Literatur vielleicht sagen dass es überladen ist.
00:50:46: Weil also ist jetzt das Problem als sie mir die Eltern hat schon das was der Auslöser ist für das was ich als Erwachsen dann erleiden muss oder ist diese Traumatisierung.
00:50:55: Denkst du beim ersten
00:50:55: Buch mal genau an dieser Diskussion jetzt gerade
00:50:58: ja
00:50:58: gerade gedacht?
00:50:59: Ich meine, es kann ja auch in einem Menschenleben einfach passieren.
00:51:02: Das ist ja nicht unrealistisch.
00:51:04: Dass man zum Beispiel der Vater oder der Erzählerin verletzt irgendwann die Familie und stirbt auch jung und so was.
00:51:11: Und das ist schon schlimm für sich.
00:51:14: aber das heißt dann nicht, dass sie alles zukünftige Unglück, was ihr noch widerfahren kann immunisiert ist nur weil dir das passiert.
00:51:21: Also es ist nicht unrealstisch!
00:51:23: Es ist eher so, in diesem Erklären wie kommt Bindungsangst zusammen?
00:51:30: Habe ich gedacht, das ist a lot.
00:51:33: Aber vielleicht... es ist auch einfach a lot, so ist jetzt deine These.
00:51:37: Ja genau auf jeden Fall ein Buch was Hardcore von Steve Panker Die Traffic Novel aus dem Chessischen von Julia Miesenburg.
00:51:51: Also auch selbst wenn ihr selten traffic novels lest, die lohnt es sich
00:51:58: so.
00:51:58: So Julia Miesenberg zum allerletzten heute.
00:52:00: aber der Gepadenverlag hat herausgebracht von Anna Beata Hablova die Schicht in der Übersetzung von Julia miesenböck und ich habe gesagt Ich komme so in die Gegenwart mit den alles gegenwärtige Autorinnen.
00:52:12: Aber in der Rahmen also in der Handlung wird das einfach auch sehr sehr gegenwertig.
00:52:18: Die Schicht ist kein Roman, der sich wirklich politisch mit Tschechien oder der Tschechoslowakei oder allem was dazugehört oder historisch auseinandersetzt.
00:52:28: Aber trotzdem ist er ein sehr, sehr politischer Roman.
00:52:31: es geht um Petra die lustigerweise mit Nachnamen Zeissige Rova heißt Und die hat ein Vogel, den sie findet.
00:52:38: Deswegen ist es so witzig, weil sich vieles im Buch am Ende an Vögeln entlangkangelt... Es gibt
00:52:43: so viele Tiere bei uns.
00:52:43: ...und das
00:52:44: ist sehr interessant, weil ich auch so dachte Zeisige Robber ist wirklich ein interessanter Nachname wie Zeisig und dann eher Robber.
00:52:51: Aber Petra ist eigentlich im Herzen die Künstlerin.
00:52:55: Sie hat also Kunst studiert.
00:52:56: Sie war in einer sehr anerkannten Kunstuniversität.
00:53:00: Sie ist eigentlich Malerin at heart.
00:53:03: Aber sie hat irgendwann festgestellt, dass in diesem Betrieb nicht mehr klar kommt.
00:53:06: Dass Sie mit dem Druck ständig Kunst produzieren zu müssen, mit dem was aus Kunst wird nämlich vermarktbares, verkaufbares kapitalistisches Material überhaupt nicht mehr klarkommt.
00:53:17: und sie hat sich zurückgezogen völlig von diesen ganzen Talent auch was sie hat und arbeitet jetzt im Supermarkt.
00:53:24: Und deswegen heißt der Roman auch die Schicht, denn Petra hat ständig Schicht.
00:53:28: Petra hatte irgendwie keine Kinder und keine guten Begründungen, weshalb sie nicht extra Arbeit übernehmen kann – Sie ist in diesem Supermarkt, ich glaube sogar in Prag irgendwo in einer Ecke und arbeitet alles mögliche und beschreibt sehr genau was für einem... harten kapitalistischen, ausbeuterischem System sie da arbeiten muss.
00:53:51: Wenn Sie nicht an der Kasse gerade was zu tun hat, dass sie nicht mal was trinken darf weil sie abrechnen muss wie oft sie dann aufs Klo gehen muss weil ihr das sonst abgezogen wird.
00:53:58: Sobald sie länger als so dreißig Sekunden da sitzt, muss sie aufspringen und Regale machen, dann muss die natürlich sehr banale Dinge machen kistenkörperlich schwere Arbeiten weg Gemüse verschimmelte Essens Sachen aussortieren usw.
00:54:11: Also ständig ist irgendwas in diesem Supermarkt zu tun und sie hat eigentlich nie irgendwie Pause.
00:54:16: Das ist sehr genau beschrieben und sie hatten ein sehr schönes literarisches Stilmittel, was Anna-Berater Habloh war benutzt.
00:54:23: Sie fängt jedes größere Kapitel an mit diese Tage – sie sind wie….
00:54:27: Und dann kommt es auf einen Vergleich!
00:54:29: Der heißt oft «diese Tage sind wie eine Tresortür», von der ich hoffe, dass ihr endlich hinter mir zufällt, damit ich nie wieder reinkomme.
00:54:35: Aber es geht natürlich ganz viel auch um diese Diskrepanz, warum ausgerechnet eine sehr talentierte Malerin sich dazu entschieden hat, so völlig aus dem Betrieb auszusteigen.
00:54:44: Am peinlichsten ist es immer wenn ihr Ex-Freund Adam der ein sehr erfolgreicher Künstler ist aber auch mit ihr eine sehr toxische Beziehung hatte ihre Bilder übermalt und alles solche übergriffige Sachen getan hat, wenn er so an der Kasse steht Und wir kennen das von allen anderen Romanen, in denen Protagonisten abkassieren.
00:55:01: Man sofort an dem was auf den Band liegt sieht ist eine Figur die sehr viel Geld hat und sich viel leisten kann.
00:55:06: Zumindest gibt es dann eine Kollegin Alena, die hat eine wahnsinnig intensive Beziehung zu ihrer Katze und ist sehr einsam.
00:55:12: Und Alena findet raus dass Petra malen kann und sie sagt ey pass auf wenn diese Katze stirbt ich habe gar nichts in der Welt.
00:55:17: kannst du bitte diese Katzen malen?
00:55:19: Du kannst auch so schön malen!
00:55:20: Und Petra ist cool und sagt hey komm' ich mal die Katze für dich will eigentlich nicht mehr malen.
00:55:24: Nee gar nicht.
00:55:25: Aber dann merkt sie plötzlich, das will ich jetzt eigentlich nicht so viel erzählen.
00:55:30: Sie entwickelt eine Obsession mit diesem Bild und gibt es dieser Alena nicht sondern hat plötzlich das Gefühl dass an diesem Bild plötzlich alles hängt.
00:55:37: Dieser Roman ist eine sehr, sehr kurzweilige, sehr interessante Kapitalismuskritik.
00:55:44: er ist ein sehr interessantes Wie sagt man, wenn man sich abarbeitet am Kunstbetrieb?
00:55:51: Weil diese Petra ganz oft sagt hey, egal wie toll ihr malt ist doch eigentlich gar keine Kunst mehr.
00:55:56: Du musst während du das machst nackt im Kreis ums Feuer tanzen und irgendwelche Videoinstallationen dazu machen weil alleine ein Bild zu malen schon so schlecht ist dass es eben nicht mehr reicht um Kunst zu sein.
00:56:09: Es muss immer höher und schneller weiter Und auch die ganze Perversion von... Wahnsinnig begnadeten, begabten, talentierten Menschen die nie entdeckt verkauft und was auch immer werden.
00:56:21: Und dann gibt es eben Unsummen und wirklich also wirklich Perversion in diesem Kunstbetrieb, was da zum Teil gezahlt wird.
00:56:28: Sie machte auch so einige Ausflüge und zeigt wie's vielleicht auch anders gehen würde.
00:56:32: Und sie macht eben auch – das wollte ich gerade noch erzählen – einen Ausflug in ihre Vergangenheit der eigentlich völlig unnötig wäre.
00:56:38: Trotzdem erfahren wir da etwas über sie und ich bin so froh….
00:56:41: Ich sage jetzt nicht was es ist, müsst ihr alles selber lesen … den gemacht hat, diesen Ausflug an dem wir was erfahren über auch eine Geschichte ihrer Kindheit die sie mitnimmt und von der es für uns total gut ist dass wir plötzlich wissen das das eben vorgefallen ist.
00:56:57: Und in diesem Roman habe ich das total verziehen obwohl es für die Geschichte nicht nötig gewesen wäre zum Beispiel
00:57:03: Hier war es ja nicht unnötig.
00:57:07: Aber ich freue mich über zwei Sachen, erstens über das Cover.
00:57:09: Ich finde das ist das beste Cover von allen, obwohl das so ultra profane ist.
00:57:13: aber das macht eine geile Perspektive auch mit diesem Supermarktregal und da sieht man...
00:57:17: Ja ne Frau die davor kniet und was einsortiert, also wenn du im Buchladen rumläufst?
00:57:23: Doch ich find's super!
00:57:24: Also es müsste das eher kriegen als allein.
00:57:27: Okay, mich hat's am wenigsten gekriegt aber ich bin auch typisch romantische Hirsche und schöne Frauen mit langen Zapfen.
00:57:34: Also kommentiert gerne welcher Typ ihr seid!
00:57:36: Ich bin ein Typ Supermarktregal Maria-Typen
00:57:40: Aber ich finde, es ist wahnsinnig viel terrarisch und es ist ganz, ganz interessant.
00:57:43: Das Anna-Werthe Hablo war sozusagen, obwohl es so ein trockenes... Wo man denken könnte, das ist auch so ein heutiger Stoff und so ein sehr gesellschaftlich präsantes Thema hat sie trotzdem so einen Stil gefunden durch gerade diese Wiederholung die sie oft hat.
00:57:56: Diese Tage sind wie was ja auch so'n bisschen betulich fast klingt und wir aus der Zeit gefallen wie so alter Meister.
00:58:03: also Das hat eine große, große literarische Qualität und je mehr man darüber liest.
00:58:08: Man geht auch anders in den Supermarkt danach natürlich.
00:58:10: Die Schicht aus dem Tschechischen von Julia Miesenberg im Gepardenverlag erschienen?
00:58:15: Ja
00:58:16: Maria hat gerade über die Schicht gesprochen und eine Kapitalismuskritik und das finde ich total gut weil ist jetzt auch zum Abstieg noch eine sehr, sehr gelungene sehr schafe Kapitalismuskritik euch gerne präsentieren wollte und zwar Schestack ausgebrannt, Pamphletroman Allegorie.
00:58:37: Das in der Parasitenpresse erschien und... Es
00:58:39: ist ein unabhängiger Verlag oder?
00:58:42: Von Christina Frankenberg übersetzt.
00:58:44: Und das Buch hat mich so gekriegt weil aus der Perspektive von einem Fahrradkurier erzählt ist, dass der wahrscheinlich durch Prag fährt.
00:58:54: Das wird nicht genau genannt aber an einer Stelle über die Karlsbrücke klar beschrieben.
00:58:58: Das ist schon klar, dass es brak ist und der fährt essen aus und zwar aber auch so würde ich eher sagen eine New York Style Fahrrad Korea Art also nicht so wie jetzt hier in Berlin auf diesen langsamen E-Bikes, sondern sehr schnell.
00:59:15: Manchmal
00:59:16: gibt es Kuriere, die so schnell hier fahren,
00:59:18: aber
00:59:19: die haben meistens kein Essen.
00:59:23: Und man ist sehr viel in seinem Kopf während er fährt und in seinen Gedanken und wie er dann auch über diese Aufteilung der Stadt denkt das zum Beispiel Reisemenschen in ihren dicken zweieinhalb Tonnen Panzern sitzen geschützt sind und saubere Luft einatmen, weil sie halt die Klimaanlagen haben und so was.
00:59:42: Und reisen privilegiert sind und sich dann von Menschen wie ihm das Essen bringen lassen in ihre teuren Loftwohnungen.
00:59:48: Ja, wir müssen bei
00:59:49: Regen es rausmisten?
00:59:50: Ja, bei Regendes rausmessen und er riskiert aber auch sein Leben, weil er ist halt ungeschützt auf diesem Fahrrad und wenn er mal einen Tag krank macht... oder krank ist, weil ihn die Knie wehtun.
01:00:03: Weil er jeden Tag zehn Stunden im Sattel sitzt oder sowas kriegt er halt auch kein Geld und das ist so eine Art... Also Spätkapitalismus, Neoliberalismus, ne neue Art von Sklaverei-Sklavenhaltertum, weil man halt nen bestimmten Klasse von Menschen ausnutzt, um den eigenen Lebensstil so zu erhalten.
01:00:20: und dieses System der Ausbeutung, das erklärt ja so gut.
01:00:24: Ich muss auch ein bisschen an dieses Turmagadi denken was jetzt auf der Longlist ist, liefern?
01:00:27: Genau also dieses Thema kommt mehr und mehr in die Literatur an und er schließt sich dann aber einer so rebellischen Gruppe an, die am Anfang noch so ein bisschen wie Fridays for Future ist, dann mehr Richtung Extinction Rebellion geht und dann wirklich krass wird.
01:00:42: zum Schluss endet es so wie Fight Club.
01:00:44: Also er protestiert auch gegen dieses System und es ist sehr radikal.
01:00:49: Und gleichzeitig kommt aber auch raus, dass er halt auch kein Unschuldslamm ist.
01:00:53: Dass das auch eher dieses System irgendwie stützt, wenn er so das Opfer ist vermeintlich... Ich war ja wirklich auch sehr viel im Berlin-Fahrrad findet es ganz, ganz schrecklich wie die Flächengerechtigkeit in der Stadt ist und so was.
01:01:10: Und das ist mal ein Roman, der das auch behandelt und er das auch in seinem Stil, in seiner Form rüberbringt.
01:01:17: So dieses schnelle, dieses aus der Puste sein, aber gleichzeitig dieses Erschöpfts sein.
01:01:21: Das bringt Christiane Hankenberg in diese Sündtags hinein.
01:01:26: Diese Übersetzung finde ich sehr gelungen und war für mich wirklich eine Entdeckung ausgebrannt von Piotr Cestak.
01:01:36: Also ich glaube, du hast auf jeden Fall die moderneren tschechischen Bücher von dem... Bei
01:01:41: mir sind alle blau.
01:01:42: Das hatten sie ein bisschen oder alle haben so Blautöne.
01:01:44: Warum?
01:01:45: Was ist los mit euch?
01:01:47: Aber zu den Fliegen zum Beispiel bei Mikro-Tests war es total gut und auch zu Hardcore das habe ich dir so gesagt wenn ihr es in der Zeit habt.
01:01:53: Aber es ist auf jeden fall finde ich ein großer Beweis wie verschieden einfach Teratur sein kann, die man dann so zum Gastland auftritt nochmal ganz neu entdeckt.
01:02:04: Also ich finde, es ist immer so eine ganz schöne Gelegenheit um auch nochmal so Übersetzerinnen kennenzulernen oder eben auch so Bücher die sonst vielleicht in so einer Flut von vielen anderen Neuerscheinungen aus vielen Ländern untergehen würden und jetzt noch mal einen Fokus kriegen.
01:02:21: zum Gasplanauftritt das heißt schaut euch doch an was es da auch alles
01:02:26: an Presse geben wird.
01:02:28: Auf der Seite von den Gastlandauftritt gibt's eine ganz tolle Liste, du könnt ihr euch auch ein bisschen durchquellen weil es sind wirklich sehr viele Übersetzungen aus dem Tässischen ins Deutel in diesem Jahr die da erscheinen.
01:02:38: Es
01:02:38: ist immer wieder so ne Einladung.
01:02:39: wir haben vorhin noch mal geguckt.
01:02:41: also jetzt ist es Tschechien im nächsten Jahr Frankfurt und danach ist es Rumänien.
01:02:46: also das ist auch wirklich so unfassbar abwechslungsreich und gibt glaube ich viel Anlass zu zu guten Lektüren und hoffentlich hinterher guten Gesprächen.
01:02:56: Wenn wir gut sind, wir haben glaube ich der Stabi noch nicht Bescheid gesagt aber der grobe Plan ist dass wir uns hier wieder treffen am dreizehnten Oktober.
01:03:03: Das werden wir noch verifizieren und euch dann auf jeden Fall bescheid sagen.
01:03:08: Wir danken euch das ihr wieder diese Unterbrechung kurz mit uns durchgestanden habt.
01:03:13: Die danken
01:03:14: der Star.
01:03:14: wie kommt bitte, wenn ihr in Berlin seid unbedingt in das Haus unter den Linden oder in das Ampotsdamer Platz?
01:03:20: schaut euch diese tollen Bibliotheken an.
01:03:22: Biblioteken sind ein wichtiger Ort für Demokratie man kann es gar nicht oft genug sagen und
01:03:26: Bibliodiversität
01:03:27: ja ähm Und in diesem Sinne danke euch auch dass ihr uns zugehört habt bleibt demokratisch.
01:03:35: Ich mach
01:03:35: jetzt mal aus einen schönen Abend euch tschaui.
01:03:44: Das war Blauswärts Berlin der Literatur-Podcast,
01:03:47: live aus der Staatsbibliothek Berlin.
01:03:50: Vielen Dank
01:03:50: fürs Zuhören!
01:03:51: Wir hören uns im nächsten Monat!
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